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EU verschiebt die Kontoumstellung : Firmen zu langsam - Sepa kommt später

Weil zu viele Unternehmen die Umstellung auf das neue Zahlungsverfahren verpasst haben, fordert die EU-Kommission eine Übergangsfrist. Die Firmen freuen sich, Banker sind überrascht.

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Für Verbraucher gilt die Übergangsfrist bis 2016.
Für Verbraucher gilt die Übergangsfrist bis 2016.Foto: dpa

Die EU-Kommission will Unternehmen mehr Zeit geben, ihre Konten auf das neue europäische Zahlungssystem Sepa umzustellen. EU-Kommissar Michel Barnier schlug am Donnerstag vor, ihnen einen Aufschub von einem halben Jahr zu gewähren. „Das ist eine Vorsichtsmaßnahme“, sagte er. Nur so werde verhindert, dass Firmen in drei Wochen Zahlungsschwierigkeiten bekämen.

Mit der Sepa-Einführung am 1. Februar wird der bargeldlose Zahlungsverkehr in 28 EU-Staaten vereinheitlicht. Dadurch sollen grenzüberschreitende Überweisungen und Lastschriften einfacher und billiger werden. Unternehmen sollten ab dem Stichtag nur noch das neue Sepa-Verfahren mit der neuen internationalen Kontonummer Iban nutzen können. Während Verbraucher für die Umstellung noch bis 2016 Zeit haben, wäre das alte Zahlungssystem dann für Firmen abgestellt worden. Jetzt sollen beide Verfahren bis zum 1. August parallel laufen.

Sepa-Verschiebung kam mehr als überraschend

Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele wurde von Barniers Vorschlag überrascht. Noch am Tag zuvor hatte er gesagt, es gebe keinen Plan B zu Sepa. Jetzt gibt es ihn auf einmal doch – zumindest, wenn es nach Barnier geht. Der Europäische Rat und das Europaparlament müssen seinen Plänen noch zustimmen.

„Ich habe immer wieder gewarnt, dass die Umstellung zu langsam passiert“, sagte Barnier. Unternehmen, die ihre IT-Systeme und Kontoverbindungen nicht rechtzeitig umstellen, hätten ohne den Aufschub der EU-Kommission am 1. Februar von ihren Kunden kein Geld mehr per Lastschrift einziehen können. Das hätte für Chaos gesorgt, sagte Ernst Stahl, der an der Universität Regensburg erforscht, wie Firmen auf die Sepa-Umstellung reagieren. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass jedes vierte Unternehmen so etwas nur maximal fünf Tage lang durchhält“, sagt Stahl. „Danach droht die Insolvenz.“

Deutsche nutzen besonders häufig die Lastschrift

In Deutschland ist die Situation besonders ernst. Hier nutzen deutlich mehr Unternehmen als in anderen Ländern regelmäßig das Lastschriftverfahren. Deutsche Firmen ziehen auf diese Weise jeden Tag 52 Milliarden Euro bei ihren Kunden ein. Gleichzeitig hat aber ein Großteil von ihnen die Umstellung auf Sepa verschlafen. Nur eine Million der 3,6 Millionen Firmen hatten bis Anfang dieser Woche bei der Bundesbank die für die Umstellung nötige Identifikationsnummer beantragt.

Viele Unternehmer sind deshalb jetzt erleichtert. „Die nun absehbare Fristverlängerung ermöglicht es den Unternehmen und Banken, die noch offenen Fragen mit der gebotenen Sorgfalt anzugehen“, sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE.

Für die Banker kommt Barniers Vorstoß dagegen überraschend. „Die Fristverlängerung wäre nicht notwendig gewesen, bringt aber Erleichterungen“, schreibt zum Beispiel der Spitzenverband Deutsche Kreditwirtschaft. Derweil gibt die IT-Wirtschaft den Geldhäusern eine Teilschuld an dem Dilemma. „Eine Verzögerung bei den Umstellungen war auch eingetreten, weil die Banken in Deutschland viel zu spät die Sepa-Umstellungen abgeschlossen hatten“, sagte Oliver Grün vom Bundesverband IT-Mittelstand.

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