Wirtschaft : Euro: 50 Milliarden neue Münzen

Rolf Obertreis

Eigentlich hatten die europäischen Notenbanker mit der Dauer- Schwäche des Euro bislang genug Probleme am Hals. Im Laufe des nächsten Jahres und spätestens Anfang 2002 werden sie vor einer neuen Hürde stehen: Wenn die Bürger in den Euroländern nicht mit anpacken, ist die Einführung des Euro-Bargeldes in knapp 15 Monaten und das Einsammeln der alten Währungen kaum zu stemmen. "Das ist eine gewaltige logistische Aufgabe", sagt Bundesbank-Präsident Ernst Welteke. Er fordert die Bundesbürger schon jetzt auf, ihre Sparstrümpfe frühzeitig zu leeren und das Geld auf die Bank zu bringen.

14,5 Milliarden Euro-Banknoten und 49,7 Milliarden Euro-Münzen werden bis Anfang 2002 gedruckt und produziert und sollen dann möglichst schnell an die Bürger weiter gegeben werden, sagt Armin Greif, Leiter der zuständigen Arbeitsgruppe bei der EZB. Umgekehrt müssen allein in Deutschland 2,6 Milliarden D-Mark-Banknoten und 28 Milliarden D-Mark-Münzen mit einem Gewicht von etwa 98 500 Tonnen - das entspricht 130 Güterzügen mit jeweils 30 Waggons - aus dem Verkehr gezogen.

EZB und Bundesbank sind auf die tatkräftige Hilfe der Bundesbürger beim Einziehen der Bestände angewiesen. D-Mark- und Pfennig-Münzen mit einem Gewicht von 170 000 Tonnen sollen noch in Umlauf sein. Und immer noch stecken Millionen von Münzen in Spardosen und Sparstrümpfen. Neun Millionen Haushalte horten hier zu Lande nach Erkenntnissen der Bundesbank zwischen sechs und zehn Milliarden Münzen. Um den Umtauschprozess zu entzerren, will die Bundesbank dazu ermuntern, schon im Laufe des nächsten Jahres solche Bestände bei Banken abzugeben und sich auf dem Konto gutschreiben zu lassen. Bis zu sieben Milliarden Münzen sollen so vorzeitig aus dem Verkehr gezogen werden. Auch dadurch, dass in Geschäften in den letzten Wochen des nächsten Jahres möglichst auf den Pfennig genau bezahlt und die Herausgabe von Wechselgeld vermieden wird. Generell hofft Bundesbank-Abteilungsleiter Ulrich Brüggemann, dass die Menge der in den Portemonnaies steckenden Banknoten bis Ende 1999 auf etwa vier Milliarden Mark und damit auf ein Drittel der üblichen Menge gedrückt werden kann.

Die Bundesbürger werden frühestens am 17. Dezember 2001 zum ersten Mal Euro- Bargeld in den Händen halten können. Dann beginnen Banken und Sparkassen mit der Ausgabe von so genannten Starterkits mit je 20 Euro- und Cent-Münzen im Wert von 10,23 Euro. Für 20 Mark sind diese "Haushaltsmischungen" bei Banken zu erhalten. Bestellt sind bereits 53,5 Millionen dieser Kits. Die Eurobank-Noten gibt es dagegen erst mit der offiziellen Einführung des Bargeldes am 1. Januar 2002 am Geldautomaten oder vermutlich ab 2. Januar bei den Banken. Nur vom 1. Januar bis Ende Februar 2002 haben Euro und die nationalen Währungen parallel Gültigkeit, danach zählt nur noch das Euro-Bargeld. Noch nicht geklärt ist, wer den Umtausch bezahlt. Die Bundesregierung hält das für eine Angelegenheit der Banken. Dort hält man die Einführung des Euro-Bargeldes aber für eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Kosten von 50 000 Euro pro Filiale hat die Sparkassen-Organisation ausgerechnet, bei den privaten Banken sollen es über 70 000 Euro sein. Eine Lösung des Streits ist noch nicht in Sicht.

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