Euro-Beitritt : Litauen greift nach den Sternen

Zum 1. Januar 2015 will Litauen dem Euro beitreten. Die Kriterien dafür dürfte das baltische Land bis Ende des Jahres erfüllen. Doch in der Bevölkerung hat die europäische Währung wenig Rückhalt.

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Euro-Münze
Estland bekam den Euro bereits 2011. Die Regierung in Vilnius befürchtet dadurch wirtschaftliche Nachteile für Litauen..Foto: dpa

Die Sterne Europas sind überall zu sehen in der Hauptstadt Vilnius. Sie werden an Häuser projiziert und wehen auf Fahnen an zahllosen Gebäuden, weil Litauen noch bis Jahresende die Geschäfte im Ministerrat der Europäischen Union führt. Das Land ist stolz, zum ersten Mal seit seinem EU-Beitritt 2004 die Diskussionen zu leiten und die politischen Delegationen zu Gast zu haben.

Gegenüber dem Euro aber bleiben die Menschen im Land dennoch skeptisch. Den jüngsten Umfragen zufolge wollen nur 42 Prozent der Litauer künftig mit der Gemeinschaftswährung zahlen, mehr als der Hälfte dagegen ist das Tempo der europäischen Integration zu schnell.

Die Regierung und die Zentralbank des baltischen Landes treiben das Projekt mit Unterstützung der Wirtschaft trotzdem voran. Ziel ist der Beitritt zur Währungsunion am 1. Januar 2015. „Im Frühjahr werden wir den offiziellen Aufnahmeantrag stellen“, kündigt Notenbankchef Vitas Vasiliauskas im Gespräch mit dem Tagesspiegel an: „Ich bin sehr optimistisch, dass diesem auch entsprochen wird.“

Währungskommissar Rehn gibt sich aufgeschlossen

Angesichts der Zahlen kann er das auch sein. Schon zum Ende diesen Jahres könnte Litauen die numerischen Kriterien für einen Euro-Beitritt erfüllen. Dann soll das Haushaltsdefizit nach 3,2 Prozent 2012 genau bei den maximal zulässigen drei Prozent der Wirtschaftsleistung liegen, ehe es den Prognosen zufolge im kommenden Jahr auf 1,8 Prozent sinkt. Der Gesamtschuldenstand liegt bei rund 40 Prozent und damit weit unter der kritischen 60-Prozent-Marke. „Auch die Inflationsprognose ist mit 1,4 Prozent in diesem und 1,5 im nächsten Jahr sehr günstig“, sagt Vasiliauskas.

Litauens Finanzminister Rimantas Sadzius will beim jüngsten Treffen mit seinen europäischen Amtskollegen in Vilnius denn auch viel Zuspruch gehört haben. Bemerkenswert war vor allem die Einlassung von EU-Währungskommissar Olli Rehn, dessen Brüsseler Behörde Litauens Aufnahmegesuch prüfen muss. Der Finne berichtete von einem vorherigen Besuch in Riga, wo er eine Konferenz zur Euro-Einführung in Lettland am 1. Januar 2014 eröffnete: „Vielleicht findet die gleiche Konferenz in einem Jahr auch in Vilnius statt.“

Währungssicherheit soll Kritiker überzeugen

Noch aber können die Hotels nicht gebucht werden. Erst im Sommer hatten die EU-Finanzminister Litauen aufgefordert, mehr gegen die Arbeitslosenrate von rund 13 Prozent zu tun. „Eine umfassende Strategie oder ein entsprechender Aktionsplan zur Armutsbekämpfung“, heißt es in dem EU-Dokument lapidar, „sind nicht vorhanden.“ Schon um eine zweite Abfuhr wie 2006 zu verhindern, verspricht Sadzius, „dass wir unsere Hausaufgaben machen und für den Beitritt am 1. Januar 2015 bereit sein werden.“

Er sieht den Beitritt im Gespräch mit dieser Zeitung als „einzigen logischen Schritt nach vorne“. Eine eigene Geldpolitik hat das Land schon seit 2002 nicht mehr, als der Wert des Litas an den des Euro gekoppelt wurde. „Wir haben schon den Euro, er hat hier nur einen anderen Namen“, scherzt Sadzius. Jetzt solle er auch so heißen, um die Umtauschgebühren zu umgehen und in der Konkurrenz mit Estland und Lettland nicht zurückzufallen, die bald beide Eurostaaten sind. „Das Baltikum wird als ein Wirtschaftsraum gesehen“, sagt Sadzius. „Ohne Euro hätten wir einen klaren Wettbewerbsnachteil, wenn es darum geht, Investitionen aus dem Ausland anzuziehen“.

In der Notenbank will man die Kritiker noch mit einem anderen Argument überzeugen: der Währungssicherheit. Was für manchen nach gut drei Jahren Euro-Krise wie ein Witz klingen mag, meint Zentralbankpräsident Vasiliauskas ernst. „Stabilität ist der größte Vorteil der Euro-Mitgliedschaft.“ Die aktuellen Probleme der Eurozone rührten von Haushaltsproblemen in einzelnen Mitgliedstaaten. „Und die baltischen Staaten haben schließlich allen gezeigt, wie man diese Probleme löst.“

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