Wirtschaft : Euro-Countdown: noch 18 Wochen: "Deutsche Firmen sind auf Euro vorbereitet"

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"Der Countdown läuft - der Euro kommt". Bis zum Jahreswechsel beleuchtet der Tagesspiegel jeweils am Sonnabend mit Berichten, Reportagen, Interviews und Standpunkten die verschiedenen Aspekte der Euro-Bargeldeinführung.

Pedro Solbes ist als Kommissar bei der Europäischen Union zuständg für die gemeinsame Wirtschafts- und Währungspolitik und regelt die Euro-Bargeld-Einführung zum 1. Januar 2002. Der Spanier war von 1993 bis 1996 Finanzminister in der Regierung des Sozialisten Felipe Gonzales.

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Der Euro kommt - Infos zur Währungsumstellung Herr Solbes, in etwa vier Monaten können die Europäer bar mit dem Euro bezahlen. Was sind die Hauptprobleme, die bis dahin gelöst werden müssen?

Die wichtigste Aufgabe der Kommission ist es, die Koordinierung von nationalen Regierungen, Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank (EZB) zu überwachen. Unsere Hauptaugenmerk liegt zur Zeit auf der Vorbereitung der kleinen und mittleren Unternehmen auf die Umstellung. Das ist eigentlich nicht so schwierig, aber die Firmen müssen eine Umstellungs-Strategie entwickeln. Das Problem in der Umstellungsphase: Die Kunden bezahlen mit der alten Währung und bekommen Euro als Rückgeld. Darauf muss ein Rechnungssystem umgestellt sein.

Wie weit sind denn die kleinen Unternehmen bei der Vorbereitung?

EU-weit haben 40 Prozent der Firmen noch nicht geklärt, wie sie den Wechsel zum Euro bewältigen wollen. Nur 60 Prozent haben schon etwas getan, und die Hälfte von ihnen hat bereits einen detaillierten Plan. In Deutschland ist die Situation etwas besser. Etwa 80 Prozent der kleinen Firmen in Deutschland haben sich bereits vorbereitet.

Vor Kurzem wurde bekannt, dass französische Euromünzen nicht automatentauglich sind. Ist die Versorgung mit brauchbarem Euro-Bargeld sichergestellt?

Nach unseren Informationen gibt es diese Probleme nicht. Die Euro-Münzen sind von sehr hoher technischer Qualität. Sie funktionieren in allen Automaten in der Eurozone, sogar bei unterschiedlichen nationalen Seiten der Euro-Münzen. Zusätzlich gibt es eine zentrale Qualitätskontrolle bei der Europäischen Zentralbank.

Manche befürchten, dass die Euro-Umstellung zur Geldwäsche in großem Stil benutzt wird. Sehen auch Sie diese Gefahr?

Wir tun eine ganze Menge, um das schon im Vorfeld zu verhindern. Und selbst wenn sich etwas Schwarzgeld in die Eurozone verirren sollte, gibt es unsererseits Aktivitäten dagegen. Wenn man Geld auf einem normalen Bankkonto hat, so ist der Umtausch der jeweiligen Währung der Teilnehmer-Länder in Euro absolut frei. Dies gilt für einen bestimmten Betrag, der bei der jeweiligen Hausbank oder auch bei jeder anderen Bank umgetauscht werden kann. Für den Umtausch großer Summen greifen schon jetzt die geltenden Gesetze gegen die Geldwäsche. Wer einen höheren Betrag wechseln will, muss nachweisen, woher das Geld stammt.

Wichtig ist das Vertrauen der Bürger in die neue Währung. Was können Sie, was kann die deutsche Regierung dafür tun?

Ich denke, das Vertrauen in die neue Währung wird durch den physischen Kontakt mit ihr wachsen. Die Bevölkerung muss darüber hinaus wissen, dass die zwölf Mitglieder der Euro-Gruppe die Stabilität der neuen Währung garantieren. Der wichtigste Punkt ist allerdings der Wechselkurs gegenüber anderen Währungen. Ich bin sicher, dass er sich verbessern wird, wenn wir mit unserer soliden Geldpolitik fortfahren.

Europa hat bald eine gemeinsame Währung, aber es mangelt immer noch an politischer Führung. Der französische Ministerpräsident Lionel Jospin schlägt eine Wirtschaftsregierung vor. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Das ist ein sehr interessanter Punkt. Doch was kann eine Wirtschaftsregierung ohne politische Regierung tun? Ich denke wir haben im Maastrichter Vertrag das Fundament gelegt für eine moderate, gemeinsame Politik, die von der EZB verantwortet wird. Nationale Wirtschaftspolitiken müssen koordiniert werden. Wir müssen die Lage gemeinsam analysieren und nutzen. Eine Art Mister Euro, der für die Wirtschaftspolitik zuständig ist, macht nicht viel Sinn, zumal es immer abweichende Einzelinteressen gibt. Wir müssen uns auf das Zusammenwirken des Finanzminister-Rats Ecofin, der EZB und der EU-Kommission verlassen, nicht auf intergouvernementale Strukturen.

Die Forderung nach mehr Koordinierung gibt es schon lange, warum funktioniert sie trotzdem nicht?

Wir haben in kurzer Zeit schon viel erreicht. Aber wir haben zwölf Mitglieder in der Euro-Gruppe und 15 Mitglieder in der EU insgesamt. Außerdem wechseln die Finanzminister häufig. Sie alle zu koordinieren ist nicht so einfach, zumal die Situationen in den einzelnen Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich sind. Wir hoffen jedoch, dass die Abstimmung in der Wirtschafts- und Finanzpolitik und die gegenseitige Information in den nächsten Monaten besser wird.

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