Wirtschaft : Euro: Eine Währung ohne Freunde

Carsten Brönstrup

Als Werbeträger taugt der Euro nicht. In nicht einmal sieben Monaten wird die Gemeinschaftswährung in den Alltag der Verbraucher einziehen - doch sie schwächelt beständig. Jüngst fiel der Euro-Dollar-Wechselkurs sogar auf ein Sechs-Monats-Tief. Da nimmt es nicht Wunder, dass mehr als die Hälfte der Deutschen Umfragen zufolge das neue Geld ablehnt. Wer vertraut schon einem Schwächling?

Alle früheren Verheißungen über eine goldene Zukunft des Euro haben sich nicht bewahrheitet: Die Konjunkturschwäche in den USA hat den Europäern nichts genutzt, denn auch auf dem alten Kontinent verschlechtert sich die Lage zusehends. Und Deutschland, die wichtigste Volkswirtschaft des Eurolandes, schickt sich nicht an, durch Reformen den Trend umzukehren. Ebenso können die Europäer nicht mehr darauf hoffen, durch eine wachsende Zinsdifferenz Kapital anzulocken und damit den Euro zu stützen: Die guten Arbeitsmarktdaten aus den USA vom Freitag machen eine baldige Senkung der US-Leitzinsen unwahrscheinlich. Amerika überwindet den Abschwung schneller als erwartet, nicht zuletzt dank der hemdsärmeligen Geldpolitik von Zentralbankchef Alan Greenspan. Und nicht einmal die Imagepflege für den Euro funktioniert, welche der deutsche Finanzminister und die Regierungsparteien so gern betreiben - die Märkte ignorieren sie schlicht. Doch ein zu lautes Beklagen der Währungsschwäche wäre auch nicht angebracht. Zum einen kann ein niedriger Wechselkurs der exportlastigen deutschen Wirtschaft helfen. Zum anderen ist das Verhalten der Devisenhändler nicht immer rational - mal meiden sie den Euro, weil sie die Europäische Zentralbank für zu offenherzig halten, mal monieren sie genau das Gegenteil. Der Euro muss noch viele Freunde finden, bevor er zu einem Markenartikel wie der Dollar werden kann.

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