Wirtschaft : Euro-Kritiker: Münzen und Scheine später einführen

BONN (aho).Angesichts des abschwächenden Euro sollten die Euro-Staaten ihre nationalen Münzen und Scheine nicht bis zum Jahr 2001 abschaffen.Das haben am Mittwoch in Bonn die vier Professoren Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling, Karl Albrecht Schachtschneider und Joachim Starbatty gefordert; sie hatten im vergangenen Jahr erfolglos gegen die Einführung des Euro beim Bundesverfassungsgericht geklagt.

In einer Erklärung listen sie mehrere Defizite der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa auf.So fehle es an Investitionen und Arbeitsplätzen, dazu seien die Schulden zu hoch.Schließlich seien die Arbeitsmärkte und Sozialsysteme nicht flexibel genug, um den Wegfall des Wechselkurs-Anpassungsmechanismus auszugleichen: "Es gibt keine Signale, auf welche Weise dieses politische Defizit beseitigt werden soll."

Problematisch sei auch, daß die vorhandenen "monetären Instrumente" kaum funktionieren würden.So würden Interventionen an den Devisenmärkten kurz nach dem Start des Euro kein weiteres Vertrauen in die Währung schaffen.Der einheitliche Zinssatz für das Eurogebiet wirke dazu wie eine "Zwangsjacke".Deutschland könnte etwa niedrigere Zinsen gebrauchen, Portugal, Spanien oder Irland dagegen höhere Raten.Angesichts der Probleme fordern sie, daß Deutschlands Lasten für die Europäische Gemeinschaft spürbar sinken müßten - zumal die Bundesrepublik mit der Integration der neuen Länder genug Finanzprobleme schultern würde.

Schachtschneider kritisierte insbesondere die widersprüchlichen Ziele, die mit der neuen Währung verbunden werden.Manche Politiker wollten etwa den Euro als Konkurrenz zum Dollar aufbauen, was auf eine Aufwertung des Gemeinschaftswährung hinauslaufen würde.Umgekehrt soll der Euro auch den Arbeitsmarkt ankurbeln, was eine Abwertung bedeuten müßte.

Die vier Professoren hatten im vergangenen Jahr mit ihrer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht eine Debatte über eine mögliche Verschiebung des Euro ausgelöst.EU-Kommission, Bundesregierung und zahlreiche Volkswirte hatten dem Plädoyer vehement widersprochen.Der Tübinger Wirtschaftswissenschaftler Joachim Starbatty hatte seinerzeit argumentiert, angesichts der erheblich verschlechterten wirtschaftlichen Lage in Europa sei die Ausgangssituation für den Euro zum geplanten Termin "denkbar ungeeignet".Der Erfolg des Euro sei wichtiger als der Zeitpunkt seiner Einführung.Die Europäische Zentralbank werde sich zudem nicht ausreichend gegen politische Einflußnahme zur Wehr setzen können, um aus der harten D-Mark einen harten Euro zu machen.Starbatty und seine Kollegen plädierten für eine "kontrollierte Verschiebung" der Europäischen Währungsunion, um den Teilnehmerländern, die die Maastricht-Kriterien zum Euro-Beitritt noch nicht erfüllt hatten, mehr Zeit für die Konsolidierung ihrer Haushalte zu geben.Dies, so die Wissenschaftler damals, werde von den Börsen honoriert und nicht als Kapitulation interpretiert."Wer sagt, Verschiebung führt zur Aufhebung der Währungsunion, glaubt nicht an dieses Unternehmen", hatte Starbatty erklärt.

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