Wirtschaft : Euro und Ölpreis: Der Fall ins Bodenlose

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Europas Wirtschaft wird weiter von Turbulenzen auf den Devisen- und Ölmärkten in Atem gehalten. Der Euro-Kurs fiel am Montag trotz der Stabilisierungsversuche der EU-Finanzminister auf ein neues Rekordtief von 0,8609 Dollar. Ein Dollar kostete damit 2,2718 Mark. Zugleich gab am Morgen der Ölpreis kräftig nach, nachdem die Förderländer angekündigt hatten, die Produktionsmenge auszuweiten. Im Tagesverlauf drehte sich der Trend allerdings wieder: Ein Barrel der Marke Brent kostete am Abend wieder über 34 Dollar.

Die Euro-Finanzminister hatten sich am Wochenende besorgt über die Talfahrt der Europäischen Gemeinschaftswährung geäußert und eine Intervention an den Devisenmärkten nicht ausgeschlossen. Dieses Signal zeigte allerdings keine Wirkung. Die US-Währung kostete im Euroraum am Montag so viel wie nie zuvor. Bevor die Europäische Zentralbank den Referenzkurs bei 0,8609 (Freitag: 0,8735) Dollar festlegte, war der Euro erstmals unter die Marke von 86 Cent auf 0,8569 Dollar gestürzt.

Analysten und Währungsexperten begründeten dies unter anderem mit der enttäuschenden Haltung der Finanzminister. Die Andeutung einer Intervention sei zu unverbindlich ausgefallen, sagte Stefan Schneider, Euro-Experte bei DB Research, dem Tagesspiegel. Der Devisenmarkt habe die wenig überraschende Erklärung vom Wochenende angemessen kommentiert. "Es ist schizophren: Der Markt erwartet einerseits ein starkes psychologisches Signal, andererseits wissen alle, dass Interventionen nicht vorher angekündigt werden." Schneider rechnet mit einem weiteren Verfall des Euro. "Die 85-Cent-Marke wird getestet." Nach Einschätzung von Petra Köhler von der Dresdner Bank werden die positiven Entwicklungen im Euro-Raum nicht von den Märkten im vollen Ausmaß wahrgenommen. Offenbar werde der Euro-Zone kein langanhaltendes und gesundes Wachstum zugetraut, sagte sie. Es werde zunehmend klarer, dass es sich derzeit beim Eurokurs um eine Marktübertreibung handele. Derartige Phasen könnten allerdings relativ robust sein.

Für Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) bleibt der Euro trotz der Turbulenzen eine Erfolgsgeschichte. Eichel sagte der "Bild"-Zeitung, trotz der gegenwärtigen Schwäche gegenüber dem Dollar sei der Euro härter als die D-Mark. FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle forderte dagegen die Bundesregierung auf, Maßnahmen zu Gunsten des Euro zu ergreifen. Nach Einschätzung von Michael Holstein von der DG Bank reichen solche "Seelenmassagen" der Politik nicht aus, um den Euro zu stärken. Erst wenn sich zeige, dass der Aufschwung im Euroraum robust sei, könnte die Stimmung drehen.

So wenig die EU-Finanzminister offenbar in der Lage waren, den Euro zu stützen, so fruchtlos blieben auch die Bemühungen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) für eine Entspannung beim Ölpreis zu sorgen. Ungeachtet der am Wochenende angekündigten Ausweitung der Fördermengen stieg der Rohölpreis am Montag wieder an. Zur Handelseröffnung in London mussten für einen Barrel (rund 159 Liter) der Nordsee-Referenzsorte zunächst nur 32,20 Dollar bezahlt werden. Das waren fast sieben Prozent weniger als am vergangenen Donnerstag, als ein neues Zehn-Jahreshoch erreicht worden war. Am Nachmittag kletterte der Preis aber wieder und notierte schließlich bei 34,05 Dollar. Auch die amerikanischen Rohölpreise stiegen am Montag wieder. Rohöl zur Oktoberauslieferung verteuerte sich am Montagmorgen (Ortszeit) an der Warenterminbörse New York Mercantile Exchange um 1,42 Dollar auf 35,05 Dollar je Barrel. Experten beurteilten die weitere Entwicklung skeptisch. Auch ein kurzfristig wieder sinkender Ölpreis werde sich kaum auf die Benzinpreise auswirken. "Die Verbraucher sollten keine Wunder erwarten", sagte Claudia Braun von der BP. "Es kann Wochen dauern, bis der Markt reagiert." Die Opec forderte am Montag in Wien zum Abschluss ihres Treffens eine Senkung der Energiesteuern in den Industrieländern. Das Kartell kritisierte die Weigerung der EU-Finanzminister, die hohen Benzinpreise durch eine Steuersenkung zu drücken, hieß es in einer Erklärung.

Scharf ins Gericht mit seinen EU-Amtskollegen ging der österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ). Die Minister seien nicht tatkräftig genug bei der Aufwertung des Euro und der Reduzierung der hohen Ölpreise, kritisierte er. Er habe sich beim EU-Finanzministertreffen am Wochenende in Versailles mit einer harten Haltung zu beiden Themen nicht durchsetzen können, berichtete Grasser am Montag in Wien. Herausgekommen sei stattdessen "eine knieweiche, diplomatische Erklärung". Zur Stabilisierung des Euro "muss man Taten setzen" und nicht nur schöne Worte finden, verlangte Grasser, der eine Interventionen an den Devisenmärkten forderte.

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