Wirtschaft : Europäische Börsen: Die nächste Runde im Börsen-Poker

Bernd Frank

Der Kampf um die Vorherrschaft an Europas Börsen geht weiter. Mit der neuen Offerte für die London Stock Exchange (LSE) hat die Betreibergesellschaft der Stockholmer Börse die nächste Runde eingeläutet und die bereits seit Tagen umlaufenden Gerüchte bestätigt. "Die Aktionäre wollen Bargeld, sie wollen mehr Bargeld", kommentierte OM-Gruppen-Chef Larssen das neue Angebot seiner Gesellschaft. LSE-Aktionäre hatten eine deutliche Erhöhung des OM-Angebots gefordert, auf das alte war nur ein Prozent der Aktionäre eingegangen.

Ob die neue Offerte ausreicht, ist dennoch sehr fraglich. Die LSE-Führung hat erst einmal abweisend reagiert und den Aktionären erneut eine Ablehnung empfohlen. Die Banken und Wertpapierhäuser als Anteilseigner der LSE können abwarten und auf ein noch besseres Angebot hoffen. Was bedeutet das für Frankfurt? Sollte die Deutsche Börse AG tatsächlich ein Gegenangebot für die LSE in der Hinterhand haben, kennt sie nun die Hausnummer, die sie überbieten muss. Ob sie mit einer solchen "feindlichen" Offerte kommt, ist offen. In Frankfurt hält man sich bedeckt und spricht nur davon, dass man mehrere Optionen habe. Dazu gehört auch, sich zunächst mit Madrid und Mailand abzusprechen, um nicht alleine vorzupreschen. Nach wie vor kommt es aber auch darauf an, was sich vor allem die kleineren Brokerhäuser in London von dem jeweiligen Handelssystem versprechen und wie teuer für sie die Umstellung wird. Auch ist die kürzlich erfolgreich gestartete Euronext - der Zusammenschluss der Börsen Amsterdam, Paris und Brüssel - an London interessiert. Man darf gespannt sein, wer den nächsten Zug macht. Will Frankfurt ganz oben mitspielen, muss die Deutsche Börse nun selbst ein Angebot vorlegen.

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