Wirtschaft : Europäischer Zentralbank fehlen Mitarbeiter

FRANKFURT (MAIN) (ro).Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Aufgaben auf Dauer nur erfüllen können, wenn sie mehr Mitarbeiter bekommt."Wir brauchen mehr Leute", sagt EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing (Foto: ????).Derzeit arbeiten im Frankfurter Eurotower rund 570 Banker, in den Notenbanken der elf Teilnehmerstaaten der Währungsunion sind es mehrere zehntausend."Die EZB hat noch nicht die Dimension, die sie erreichen muß", meinte Issing am Dienstagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.In jedem Fall sei die EZB auch auf den Sachverstand der nationalen Notenbanken angewiesen, um die wirtschaftliche Entwicklung in Europa richtig abschätzen zu können.Die Arbeitsbelastung der EZBler ist derzeit extrem hoch, allerdings sind die Banker aus allen Euro-Staaten Issing zufolge derzeit begeistert bei der Sache, weil die Europäische Währungsunion (EWU) ein historisch einmaliges Projekt sei.

Die Zinssenkung von zehn europäischen Notenbanken auf 3,0 Prozent in der vergangenen Woche ist nach Ansicht von Issing zum "allerbesten" Zeitpunkt erfolgt.Der EZB-Chefvolkswirt bewertet das abgestimmte Verhalten der Notenbank als ermutigende Erfahrung für das Europäische System der Zentralbanken und als einmalig in der Geschichte."Wir starten jetzt mit diesem Zinsniveau in die Währungsunion und bleiben auf absehbare Zeit dabei.Absehbar heißt, bis wir anders entschieden haben." Die Lockerung der Geldpolitik sei vor dem Hintergrund einer ruhigen Geldmengenentwicklung, stabiler Preise und der sich abzeichnende Abschwächung der Konjunktur richtig."Sie ist auch ein Signal dafür, daß die neue Notenbank schon handlungsfähig ist."

Die Diskussion über möglichen politischen Druck, dem sich die Notenbanken gebeugt haben, ist nach Auffassung des EZB-Chef-Ökonomen "ziemlich müßig".Es werde immer irgend jemanden geben, der sage, was die EZB machen solle.Die europäischen Notenbanker würden aber immer das tun, was sie selbst für richtig hielten."Es kann nicht sein, daß ich aus lauter Angst, im vermeintlich falschem Licht zu stehen, nicht handele", betont Issing.Für die neue Notenbank sei wichtig, Vertrauen zu gewinnen."Wir werden nur Erfolg haben, wenn unsere Botschaft ankommt und wir erklären, was wir warum tun." Jeden Monat wird die EZB nach ihrer Ratssitzung vor der Presse ihre Politik erläutern.Zudem gibt es monatlich ein Bulletin, mit Einschätzungen zur Konjunktur, Erläuterungen der geldpolitischen Strategie und anderen Beiträgen.

Nach Einschätzung von Issing besteht in Euroland derzeit keine Deflationsgefahr."Wir nehmen dies aber ernst.Deflation ist genauso schädlich wie Inflation." Kritisch werde es erst dann, wenn die Konsumenten warten würden, weil sie generell mit der Verbilligung von Gütern rechnen würden.Das sei aber nicht der Fall.

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