Wirtschaft : Europas Banken im Fusionsfieber

DANIEL RHEE-PIENING

Das Poker-Spiel auf dem Bankenmarkt wird immer aufregender, die Einsätze immer größer.Nachdem es bisher vor allem die deutschen Banken waren, die durch Zusammenschlüsse wie in Bayern oder ihre angekündigten Übernahme-Touren in Übersee für Schlagzeilen sorgten, steigen jetzt auch die anderen Europäer ein.Im Vorfeld der Währungsunion in Europa werden die Karten neu gemischt und aus nationalen Gruppen entwickeln sich langsam, aber sicher europaweite Konzerne.

Die ING hat nach dem Einstieg bei der Allgemeinen Deutschen Direktbank nun einem weiteren Schritt auf den deutschen Markt gemacht.Daß die Niederländer dabei auf die BHF Bank verfielen, überrascht wenig.Die Frankfurter waren der ideale Übernahmekandidat und Gerüchte gab es schon länger.Die BHF gehört zwar zu den zehn größten deutschen privaten Geschäftsbanken, ist war aber zu klein, um langfristig alleine überleben zu können.Sie genießt allerdings einem ausgezeichneten Ruf insbesondere bei der Begleitung von Unternehmen und im Wertpapiergeschäft.Die Kompetenz der Banker vom Main dürfte die ING auch dazu bewogen haben, die BHF Bank in Zukunft als eigenständiges Institut weiterzuführen, ihre Identität also zu respektieren.Die internationale Kundschaft ist mit den Frankfurtern zufrieden und will weiterhin individuell bedient werden.Die Zusicherung des Fortbestehens mag auch deutsche Vorbehalte gegen eine Übernahme zerstreuen, so sie denn erhoben werden.Es spricht doch für die Qualität der deutschen Banken, wenn sie auf die Wunschlisten europäischer Konzerne rücken.

Die Übernahme wird die Spekulation an den Märkten weiter anheizen.Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die ING ihren Anteil an der BHF Bank weiter erhöht und auch andere Namen rücken wieder ins Blickfeld.Aus deutscher Sicht wird dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder einmal die Commerzbank sein, die sich zwar gegen Übernahmen gefeit sieht, aber immer als erstes Institut genannt wird.Doch vor überschäumender Euphorie sei gewarnt.Die Größe allein garantiert noch nicht den Erfolg, sondern kann für die gesamte Volkswirtschaft sogar gefährlich werden.Zu groß zum Sterben heißt das Stichwort.

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