Wirtschaft : Europas größter Rechtehändler plant ein europaweites Fernseh-Netz

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Die Kirch-Gruppe, nach eigenen Angaben Europas größter Rechtehändler im Bereich Film und Fernsehen, will europaweit expandieren. Wie der für das Programm zuständige Geschäftsführer Jan Mojto am Donnerstag berichtete, führt die Kirch-Gruppe derzeit konkrete Gespräche über Beteiligungen an insgesamt vier europäischen Fernsehsendern. Verhandlungen würden in Frankreich, Polen, Portugal und Griechenland geführt. In Frankreich kämen für ein Engagement die TV-Stationen Canal Plus, M 6 und TF 1 in Frage, sagte Mojto.

Kirch will zusammen mit der italienischen Mediaset ein europaweites Netzwerk von werbefinanzierten Fernsehsendern aufbauen. Mediaset, das zur Unternehmensgruppe von Silvio Berlusconi gehört, sei dabei stark in Italien. Kirch und Mediaset sind zusammen bereits am spanischen Sender Telecinco beteiligt.

In Deutschland hält Kirch die Mehrheit am Privatsender Sat 1 sowie 100 Prozent am Spartensender Deutsches Sport-Fernsehen (DSF). Außerdem ist die Gruppe mit Premiere und DF 1 einziger Anbieter im Bezahl-Fernsehen. Mojto erklärte weiter, eine Einbeziehung der ProSieben Media AG in den Konzernverbund sei "kein Tabu-Thema". Dazu liege aber noch kein Plan auf dem Tisch. Fest stehe nur, dass die ProSieben-Gruppe in die Überlegungen einbezogen werde. "Es kommt Bewegung in die Branche", meinte Mojto. Die börsennotierte ProSieben-Gruppe gehört mehrheitlich dem Sohn von Leo Kirch. Thomas Kirch hält 58,4 Prozent der Stammaktien. Zuletzt hatte ProSieben-Chef Georg Kofler seinen Rückzug aus dem Unternehmen angekündigt. Angeblich war Kofler Gegner einer engeren Einbeziehung der ProSieben-Gruppe in den Kirch-Verbund.

Erstmals gewährte die Kirch-Gruppe am Donnerstag auch Einblick in die Finanzzahlen. Dieter Hahn, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Gruppe, sagte, der Umsatz der Kirch Media KGaA habe im vergangenen Jahr knapp 3,7 Mrd. DM betragen. In der Kirch Media ist das Kerngeschäft gebündelt. Dabei entfallen auf den Rechtehandel etwa 45 Prozent und auf die Aktivitäten im Free-TV etwa 50 Prozent des Umsatzes, hieß es. Das operative Ergebnis der Kirch Media wurde mit rund 400 Mill. DM beziffert. Für 1999 wird mit einer Verbesserung der Ertragslage und einem Umsatzplus gerechnet. Hahn betonte mehrmals, die Kirch Media sei nicht überschuldet. Finanzchef Herbert Schroder versicherte, mit Eigenkapital von mehr als zwei Mrd. DM sei das Unternehmen finanziell bestens ausgestattet. Die zum Jahresende 1998 fast sieben Mrd. DM Verbindlichkeiten (davon 3,7 Mrd. DM Bankschulden) seien inzwischen auf 5,8 Mrd. DM abgebaut.

Für das Jahr 2000 oder das Jahr 2001 sei der Gang an die Börse geplant. Dabei wird nach den Worten Hahns ein Listing im Amtlichen Handel in Frankfurt (Main) und an einem weiteren internationalen Börsenplatz angestrebt. Zwischen 25 und 30 Prozent würden an der Börse platziert. Kirch habe institutionelle und private Anleger im Visier. Scherzhaft fügt Mojto hinzu: "Wenn es nach Herrn Kirch ginge, dann würde am liebsten gar nichts am Markt gehandelt." Derzeit sind bereits drei Finanzinvestoren an Kirch Media beteiligt.

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