European Founders Fund : 150 Millionen Euro für den Nachwuchs

Mit dem Internet sind die Samwer-Brüder reich geworden. Nun wollen sie Geld und Wissen an junge Firmengründer weitergeben

Corinna Visser

Die Banken waren nicht bereit, ihnen ein Geschäftskonto einzurichten. „Die Ignoranz ist groß“, sagt Ehssan Dariani. „Dabei wollten wir nicht einmal einen Kredit.“ Finanzierungsprobleme haben der 25-Jährige und seine Mitgründer von studiVZ.net nun aber nicht mehr. Die im Oktober gegründete Berliner Firma hat inzwischen prominente Investoren gefunden: die Brüder Marc (35), Oliver (33) und Alexander (31) Samwer. Seit sie studiVZ.net – nach eigenen Angaben das mit mehr als 100 000 Studenten größte und am schnellsten wachsende Studentennetzwerk Europas – mit Geld und Rat unterstützen, hat Dariani beste Kontakte. „Es ist ein gutes Gefühl, dass sich jetzt Investoren und etablierte Unternehmen für uns interessieren“, sagt Dariani. „Vor einem Dreivierteljahr hatte ich weder einen Job noch eine Wohnung – aber eine E-Mail-Adresse und ein Notebook.“ Inzwischen arbeiten rund 25 Leute für studiVZ.net, die meisten im Büro in Berlin-Mitte.

Kein Wunder, dass sich plötzlich viele Türen für die jungen Gründer auftun: Die Geschäfte, die die Brüder Samwer bisher starteten, haben sich am Ende ausgezahlt. Zuerst gründeten sie das Internetauktionshaus Alando, später den Klingeltonanbieter Jamba. Beide Firmen wurden später von US-Unternehmen gekauft: Alando nach wenigen Monaten für geschätzte 25 Millionen Euro von Ebay, Jamba für 273 Millionen von Verisign.

Seither haben die Samwer-Brüder nach neuen Geschäftsmöglichkeiten gesucht. „Wir haben uns in den USA und Asien umgeschaut“, sagt Oliver Samwer im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Dabei ist uns im kalifornischen Silicon Valley aufgefallen, dass viele erfolgreiche Unternehmer ihr Geld in Start-ups investieren und den jungen Firmen dann auch aktiv zur Seite stehen.“

Diese Idee haben die Samwers aufgegriffen und eine Beteiligungsgesellschaft gegründet, den European Founders Fund. „Bis zu 150 Millionen Euro können wir anlegen“, sagt Samwer. Für die einzelnen Engagements liegt die Summe aber bei 100 000 bis maximal fünf Millionen Euro pro Firma. „Wir wollen den Gründern aber nicht nur Geld, sondern auch unsere aktive Unterstützung und unseren Rat geben“, sagt Samwer.

An neun Firmen hat sich der Fund schon beteiligt. Neben studiVZ.net zum Beispiel auch an der Berliner myphotobook GmbH und e-sport aus Hamburg. „In der Anfangsphase betreuen wir die Unternehmen sehr intensiv“, sagt Samwer. Das persönliche Engagement unterscheide sie auch von anderen Risikokapitalgebern oder Finanzinvestoren. „Wir beteiligen uns nur dort, wo wir einen Mehrwert schaffen können.“ Eine klare Vorstellung davon, was am Ende dabei herauskommen soll, haben die Brüder auch: „Wir erwarten eine Rendite von 25 Prozent pro Jahr – mindestens“, sagt Samwer.

Bisher haben sich die drei Brüder die Firmen selbst ausgesucht. „Wir investieren in die Bereiche Internet und Mobilfunk“, sagt Samwer. „Wir glauben an den Online-Spielemarkt, an Netzwerke wie studiVZ.net, an Spiele für das Handy und an Marktplätze wie die Devisenhandelsplattform Oanda.“ Oanda ist ein US-Unternehmen, das die Samwers beim Eintritt auf den europäischen Markt unterstützen wollen. Inzwischen funktioniert die Kontaktaufnahme aber auch umgekehrt. „Ich bekomme zwischen 30 und 40 Bewerbungen pro Tag“, sagt Samwer. Sie laufen unter oliversamwer@yahoo.de ein.

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