Wirtschaft : Ex-Minister Wiesheu soll es bei AEG richten

Bahn-Vorstand gilt als pragmatisch und erfahren

Maren Peters

Berlin - Er ist als Krisenmanager in letzter Minute bekannt. Otto-Wiesheu, 61, hat noch als Wirtschaftsminister in Bayern bei der kriselnden Oberpfälzer Maxhütte den Nothelfer gespielt, eine Lösung für die angeschlagene Schmidt-Bank organisiert und beim Halbleiterhersteller Infineon erfolgreich den Vermittler gegeben. Jetzt soll der CSU-Politiker, der seit Anfang Januar im Vorstand der Deutschen Bahn sitzt, sein Geschick auch beim Hausgerätehersteller AEG unter Beweis stellen. Einen ersten Erfolg kann er bereits verbuchen: Knapp eine Woche, nachdem die Verhandlungen für gescheitert erklärt worden waren, ist es ihm gelungen, Vertreter des AEG-Besitzers Electrolux und der IG Metall wieder an den Verhandlungstisch zurückzubringen. Am Montagabend um 17 Uhr trafen sich die Parteien in einem Münchner Hotel. Die Arbeitnehmervertreter schlossen nicht aus, dass es schon am Dienstagmorgen eine Einigung zumindest in Grundzügen geben könnte.

Der schwedische Mutterkonzern Electrolux will das Nürnberger AEG Werk Ende 2007 schließen. Die Belegschaft konnte zwar den Beschluss nicht rückgängig machen, kämpft aber seit mehr als einem Monat um einen Sozialtarifvertrag.

Eine Einigung scheint seit dem Wochenende wieder möglich. „Die Chancen stehen 50:50“, sagte AEG-Betriebsratschef Harald Dix dieser Zeitung vor Beginn der Verhandlungen. Auch die Gegenseite hat wieder Hoffnung geschöpft. „Wir sind uns bei zentralen Fragen deutlich näher gekommen“, sagte AEG-Sprecher Michael Eichel dem Tagesspiegel. „Jetzt haben wir wieder ein Ziel vor Augen.“ Das bestätigt auch ein Sprecher der Nürnberger IG Metall.

Zu verdanken ist das vor allem den Verhandlungskünsten von Bahn-Vorstand Wiesheu, der seit vergangenem Donnerstag die Sondierungsgespräche führte. „Er hatte immer einen kurzen Draht zur jeweils anderen Seite gehabt“, lobt Eichel.

Der CSU-Politiker, der in den vergangenen Jahren zu den wichtigsten Ministern im Kabinett von Edmund Stoiber gehörte, hat eine wechselvolle Karriere hinter sich. Der promovierte Jurist kam als Referendar in den Dunstkreis des CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß, der sein Mentor werden sollte. 1974 zog Wiesheu in den bayerischen Landtag ein, 1983 wurde er CSU-Generalsekretär. Sein rascher Aufstieg wurde jäh unterbrochen, als Wiesheu ein Jahr später angetrunken einen Verkehrsunfall verursachte, bei dem ein Mensch starb. Wiesheu kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Und dankte ab. Erst 1990 holte ihn die CSU aus dem politischen Abseits zurück, erst als Kulturminister, später als Wirtschaftsminister.

Im Laufe der Jahre hat er sich einen hervorragenden Ruf erworben, sogar Gewerkschafter schätzen den Pragmatiker. „Er hat nicht das politische Herumgeeiere und Gelabere“, sagte ein früherer Grundig-Betriebsratschef über ihn. „Er will zu Ergebnissen kommen.“

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