Wirtschaft : Expansion ins Ausland und besserer Kundendienst - Keine Dividende

Der Internet-Wertpapierhändler Consors will in diesem Jahr mit Expansionen ins Ausland und einer besseren Kundenbetreuung sein Wachstumstempo halten. "1999 war das Jahr des Durchbruchs, 2000 wird das Jahr des internationalen Ausbaus", sagte der Vorstandsvorsitzender der Consors Discount Broker AG, Karl Matthäus Schmidt, am Freitag auf der ersten Hauptversammlung nach dem Börsengang in Nürnberg. Der Markt biete europaweit riesige Wachstumsraten. "Die große Masse von Kunden steht erst noch in den Startlöchern." Das Unternehmen gab den Zugewinn auf konzernweit 376 000 neue Kunden im ersten Quartal 2000 bekannt und bezifferte die Zahl der getätigten Orders auf rund 4,8 Millionen. Trotz intensiver und kostspieliger Marketingkampagnen, die maßgeblich zur erfolgreichen Neukundengewinnung in Deutschland, Frankreich und der Schweiz beigetragen hätten, seien die Akquisitionskosten je Neukunde mit 123 Euro deutlich unter dem Vorjahresniveau von 205 Euro geblieben. Der Kurs der Consors-Aktie sank am Freitagmittag um zehn Prozent auf 106,50 Euro.

Die Gruppe steigerte in den ersten drei Monaten die operativen Erträge auf 181,7 Millionen Mark (92,3 Millionen Euro) - das entsprach bereits 60 Prozent der Erträge des gesamten Geschäftsjahres 1999. Der Überschuss vor Steuern stieg auf 8,4 Millionen Euro (erstes Quartal 1999: 5,22 Millionen Euro). Die Bilanzsumme stieg um fast 40 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Consors einen Zuwachs im Ergebnis und bei den Kunden.

Vorstandssprecher Reto Francioni kündigte an, dass "auf der Karte Europa noch Großbritannien fehlt, diese Lücke wird ausgefüllt werden." Bereits jetzt ist die Consors-Gruppe in Frankreich mit dem viertgrößten Broker des Landes sowie in Spanien und mit einer Tochter in der Schweiz präsent. Vor wenigen Tagen hatte Consors mit der norditalienischen Volksbankengruppe Banco Popolare Commercio e Industria und der Internet-Bank Onbanca (Mailand) einen italienischen Online-Broker gegründet.

Die Aktionäre lobten die "einmalige Erfolgsgeschichte" von Consors. Zugleich kritisierten sie aber auch die mangelhafte Kundenbetreuung. "Wir waren nicht immer in dem Maße telefonisch erreichbar, wie unsere Kunden das erwarten dürfen", räumte Schmidt ein. Um die rasant zunehmenden Aktivitäten bewältigen zu können, entstehe zurzeit ein neues Kundenzentrum mit langfristig 250 Beschäftigten in Berlin. Die Personal- und Call Center-Kapazitäten würden ausgebaut und die Belegschaft von derzeit 860 auf rund 1200 Mitarbeiter bis zum Jahresende aufgestockt. Die Hauptversammlung beschloss, den gesamten Gewinn in Rücklagen einzustellen. Eine Dividende wird nicht ausgeschüttet.

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