Wirtschaft : Experiment misslungen

-

EDITORIALS

Ein Experiment des großen alten Testlabors Kalifornien scheint wieder mal zu platzen. Der NullEmissions-Erlass für Kraftwagen des US-Bundesstaates wird vermutlich den gleichen Weg wie zuvor der zweisprachige Schulunterricht, die staatliche Minderheitenpolitik und die „Energie-Deregulierung“ nehmen. 1990 beschloss Kalifornien, dass bis 2003 zehn Prozent aller neu zugelassenen Autos schadstofffrei sein müssen.

Der kalifornische „Clean-Air-Act“ läuft derzeit auf Elektrofahrzeuge hinaus. Die für Luftverschmutzung zuständige kalifornische Behörde hat die Vorschrift allerdings vier Mal verwässert. Es wird gemunkelt, dass sie den Erlass Ende dieses Monats sogar ganz kippen wird. Was ist der Grund für das Scheitern?

Zunächst darf sich Kalifornien vermutlich gar nicht als Automarkt-Regulierer aufspielen. Im vergangenen Jahr hat ein Bundesrichter amerikanischen Autokonzernen recht gegeben, dass allein der Bund den US-Kraftstoffverbrauch regeln darf. Da Autohersteller nicht spezielle Fahrzeuge für einen einzelnen US-Bundesstaat produzieren können, läuft der kalifornische Erlass auf höhere Kosten für jeden amerikanischen Autofahrer hinaus.

Noch problematischer an den kalifornischen Null-Emissions-Autos ist, dass kein Verbraucher die verdammten Dinger haben will. Kann man es ihnen verdenken? Elektrofahrzeuge fahren kaum schneller als 100 Meilen pro Stunde, sie brauchen ewig lang zum Auftanken und sind nicht gerade billig.

Trotz der Beschwörung von Umweltschützern, dass die Verbraucher die Wagen einfach lieben würden, hat niemand sie gekauft. Toyota hat nach eigenen Angaben 2002 nur 216 seiner Elektro-Schönheiten in Kalifornien abgesetzt. Das ist ein Bruchteil der insgesamt 1,8 Millionen verkauften Fahrzeuge des Unternehmens.

Darum hat fast jeder große Autohersteller die Produktion der Elektro-Autos eingestellt. General Motors ist der letzte. Wenn das Leasing seiner Elektrofahrzeuge ausläuft, will sie der Konzern von der Straße nehmen, verscherbeln oder wegen Ersatzteilen ausschlachten.

Nicht jedes Elektrofahrzeug wird zerstört. Einige kommen ins Museum – und dort werden sie zwischen Telefonen mit Wählscheibe oder Achtspur-Kassettenrekordern ihr Leben fristen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben