Wirtschaft : Exporteure trotzen dem teuren Euro

Die Ausfuhr steigt trotz des Rekord-Kurses von 1,55 Dollar weiter – 2008 wohl über die Billionen-Grenze

Carsten Brönstrup

Berlin - Deutschland hat gute Chancen, auch 2008 das exportstärkste Land der Welt zu werden. Das liege am starken Euro-Kurs, sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des Groß- und Außenhandels (BGA), am Mittwoch in Berlin. „Die chinesischen Exporte müssten bei einem Euro-Kurs von 1,50 Dollar um 25 Prozent zulegen, um Deutschland zu überholen“, rechnete Börner vor. Ob dies gelinge, sei angesichts des momentanen Durchhängers der chinesischen Exportwirtschaft noch offen. Am Mittwoch stieg der Wert des Euro sogar noch weiter – zeitweise notierte er auf 1,5502 Dollar, das war ein Rekordstand.

Der Export gilt seit Jahren als eine der stärksten Stützen des deutschen Aufschwungs. Der BGA erwartet, dass die deutschen Unternehmen in diesem Jahr erstmals Waren für mehr als eine Billion Euro ins Ausland verkaufen. Das hohe Wachstumstempo des vergangenen Jahres lasse sich angesichts der Finanzkrise in den USA aber nicht halten. 2007 war der Export um 8,5 Prozent gewachsen, in diesem Jahr dürften es „nur noch fünf Prozent“ werden. Dies gelte aber nur, wenn es in den USA bei einer „Mini-Rezession“ bleibe, wie es Börner nannte. Dafür stünden die Chancen indes recht gut.

Sollten sich die Probleme dagegen ausweiten, ist Börner zufolge eine weitere Aufwertung des Euro sehr wahrscheinlich. Der Rekord-Wechselkurs vom Mittwoch geht zurück auf die gute Entwicklung der Industrieproduktion in der Eurozone im Januar. Auch hatte die Europäische Zentralbank (EZB) signalisiert, dass Zinssenkungen vorerst kein Thema seien.

Erst am Dienstag hatte die Währung bei nur 1,5231 Dollar notiert, nachdem die amerikanische Notenbank Federal Reserve eine Liquiditätsspritze von 200 Milliarden Dollar für die angeschlagene Finanzbranche angekündigt hatte. Von einem „nur kurzen Freudentaumel für den Dollar“ sprachen Händler einen Tag danach. Der Handelsverband BGA rechnet erst gegen Ende des Jahres wieder damit, dass die Währung unter die Marke von 1,50 Dollar fällt. Gestartet war der Euro an seinem ersten Handelstag Anfang 1999 bei 1,1747 Dollar.

Börner warnte allerdings davor, die Folgen der Euro-Stärke überzubewerten. Mehr als 80 Prozent der deutschen Ausfuhren würden in Euro abgerechnet, zudem mindere die starke Währung die Energierechnung des Landes. Eine Umfrage seines Verbandes unter 1250 Mitgliedsfirmen habe ergeben, dass zwar ein Viertel unter dem Wechselkurs leide. Ein Drittel sehe sich dagegen als Profiteur, weil der starke Euro Vorprodukte preiswerter macht. Auch deshalb hält Börner Zinssenkungen durch die EZB derzeit für unangebracht. Die Euro-Stärke trifft allerdings auch die Produktgruppe, mit der Deutschland am stärksten auf den Weltmärkten vertreten ist: 18,7 Prozent der ins Ausland gelieferten Produkte sind Autos oder Teile von Autos. Es folgen Maschinen (14,3 Prozent) und chemische Produkte (13,2 Prozent). „Die deutsche Industrie wird verstärkt zum Aufbau von Produktionskapazitäten im Dollarraum gezwungen sein“, befand Börner.

Die meisten Bestellungen bei deutschen Firmen kommen nach wie vor aus den USA, Russland könnte in diesem Jahr der zweitwichtigste Markt werden. Der Grund: Der Export dorthin soll um bis zu 20 Prozent zulegen.

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