Wirtschaft : EZB: Geldpolitiker müssen konsequent sein

Martina Ohm

Konsequenz und Glaubwürdigkeit gehören zur Geschäftsgrundlage eines jeden Notenbankchefs. Bleibt US-Notenbankpräsident Alan Greenspan konsequent, muss er am Dienstag die Leitzinsen erneut senken. Denn Anzeichen, die auf einen klaren Richtungswechsel in der Konjunkturentwicklung hindeuten, sind nicht vorhanden. Die höheren Einzelhandelsumsätze und das gestiegene Verbrauchervertrauen in den USA ändern nichts an der Diagnose, dass es mit der Wirtschaft nicht so recht vorwärts geht. Die Politik des billigen Geldes soll - mit dem Segen des IWF und des Weißen Haus - Börsianern, Konsumenten und Investoren neues Vertrauen geben und der Weltwirtschaft zu alten Kräften verhelfen. Soll die Medizin ihre Wirkung nicht verfehlen, muss die Dosierung stimmen. Für die vernetzte Weltwirtschaft heißt das: Je mehr Notenbanken an einem Strang ziehen, umso besser.

Zum Thema Chronologie: Die Zinsschritte der EZB seit Anfang 1999 Reaktionen: EZB erntet Lob aus der deutschen Kreditwirtschaft Selbst die EZB hat sich dieser Auffassung spät und nicht ohne innere Widerstände angeschlossen - und die Zinsen gesenkt. Ob sie sich aber damit einen Gefallen getan hat? Von Konsequenz jedenfalls zeugt das in diesem Fall nicht. Schließlich hat EZB-Präsident Wim Duisenberg lange auf Zeit gespielt und dokumentiert, dass er keine Lust hat, auf Zuruf dem Druck der Öffentlichkeit nachzugeben und durch niedrigere Zinsen die eigenen Stabilitätsziele aufs Spiel zu setzen. Ihm gelang sogar das Kunststück, seine Politik des Nichtstuns als verdienstvolle Arbeit an der Glaubwürdigkeit der jungen Notenbank darzustellen. Mit der Zinssenkung hat er diesen Erfolg wieder zunichte gemacht. Von Glaubwürdigkeit kann nicht mehr reden, wer seine Argumente innerhalb von nur zwei Wochen auf den Kopf stellt.

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