EZB gibt kleines Signal für einen Kurswechsel : Draghi tastet sich langsam voran

EZB-Chef Mario Draghi bereitet die Märkte in Trippelschritten auf einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik vor. Bislang aber nur mit Worten statt Taten.

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EZB-Chef Mario Draghi drückt sich sehr vorsichtig aus.
EZB-Chef Mario Draghi drückt sich sehr vorsichtig aus.Foto: REUTERS/Ints Kalnins

Manchmal ist es nicht so wichtig, was jemand sagt – sondern was er nicht sagt. Das gilt vor allem dann, wenn dieser Jemand Mario Draghi heißt und Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) ist. Hat Draghi nach den bisherigen Sitzungen des EZB-Rats stets darauf hingewiesen, im Zweifel könne er die Zinsen auch noch weiter senken, verzichtet er darauf am Donnerstag bewusst. Auch den Hinweis, dass die EZB die Anleihekäufe nochmal ausweiten und damit erneut mehr Finanzpapiere pro Monat erwerben könnte, lässt Draghi diesmal bewusst weg. Es sind Kleinigkeiten, die Experten jedoch als einen ersten Hinweis auf ein langsames Auslaufen der ultralockeren Geldpolitik interpretieren. Die DZ Bank spricht von einer „homöopathische Reduktion der Wortwahl“, die ING Diba von „Trippelschritten“.

Die Zinsen bleiben niedrig

Das zeigt: Es geht voran – wenn auch „quälend langsam“, wie es Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ausdrückt. Vor allem auf höhere Zinsen dürfen sich Anleger so schnell nicht freuen. Denn auch wenn Draghi derzeit nicht mehr davon spricht, den Leitzins noch weiter und damit ins Minus zu drücken, spricht er doch auch nicht von einer Zinserhöhung. Im Gegenteil. Draghi sagt, die Zinsen blieben noch für einen „längeren Zeitraum“ niedrig. Und mit länger meint er vermutlich: mehrere Jahre. So erwartet Draghi, dass die Zinsen weit über das Ende der Anleihekäufe hinaus niedrig bleiben werden. Die Anleihekäufe sollen erst Ende des Jahres eingestellt werden – wobei sich Draghi die zeitliche Verlängerung des Kaufprogramms noch bewusst offen lässt.

EZB senkt Inflationserwartung

Beobachter halten diese Politik der Trippelschritte für gefährlich. Schließlich geht es der Euro-Zone nicht mehr schlecht – allein in diesem Jahr soll die Wirtschaft im Währungsraum laut EZB-Prognose um 1,9 Prozent wachsen. Wichtiger als das Wachstum ist für die Notenbank jedoch die Inflation, also die Preissteigerung. Die EZB wünscht sich einen Wert von nahe, aber unter zwei Prozent – rechnet für 2017 aber lediglich mit 1,5 Prozent, für 2018 sogar nur mit 1,3 Prozent.

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