Wirtschaft : FAG: INA kauft bereits kräftig Aktien

jojo

In den Übernahmekampf um die Schweinfurter FAG Kugelfischer AG kommt Bewegung. Die INA-Unternehmensgruppe teilte am Donnerstag mit, dass sie seit Dienstag an der Börse bereits mehr als zehn Prozent der FAG-Aktien gekauft habe. Die Herzogenauracher hatten am Montag angekündigt, den Wälzlager-Hersteller komplett übernehmen zu wollen. Bis Mittwoch habe die eigens für die Transaktion gegründete INA Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH mehr als sechs Millionen Kugelfischer-Aktien gekauft, teilte INA am Donnerstag mit. INA ist somit mit mehr als zehn Prozent bereits größter FAG-Aktionär. Das Unternehmen werde auch weiter jede Möglichkeit nutzen, Aktien zu erwerben, sagte ein Sprecher. Ob INA schon vor der Ankündigung der vom Kugelfischer-Vorstand als feindlich eingestuften Offerte FAG-Papiere gekauft habe, wollte er nicht sagen.

Allein am Dienstag, einen Tag nach der Ankündigung der Offerte, habe INA 3,74 Millionen FAG-Aktien zu Preisen zwischen 10,30 und 10,75 Euro erworben, teilte das Familienunternehmen darüberhinaus in einer Finanzanzeige mit.

INA hat am Donnerstag auch ein Übernahmeangebot vorgelegt, das vom 17. September bis zum 22. Oktober läuft. Die Franken bieten für die im M-Dax notierte FAG elfEuro je Aktie. Das ist rund 50 Prozent mehr als der FAG-Kurs vom vergangenen Freitag. Die bereits gekauften Aktien hat INA zu Preisen zwischen 10,30 und 10,75 Euro bekommen. Gestern lag das Papier bei hohen Umsätzen in der Spitze bei 10,75 Euro.

Das FAG-Management lehnt die Übernahmeofferte ab. FAG-Chef Uwe Loos erhielt dabei gestern Unterstützung seines größten Einzelaktionärs, Fritz Schäfer. Der letzte Vertreter der Gründerfamilie hält 6,5 Prozent der Anteile. "Der angebotene Übernahmepreis ist angesichts der Ertragsstärke des Unternehmens unzulänglich", teilte Schäfer mit. "Bitte halten sie ihre Anteile", schloss sich Schäfer einem früheren Appell von Loos an. Die IG Metall bemüht sich ebenfalls, die Aktionäre zu überzeugen, ihre Aktien nicht an INA zu verkaufen. Der Schweinfurter IG-Metall-Bevollmächtigte Klaus Ernst befürchtet, dass bei einer Übernahme Arbeitsplätze vor allem in der Verwaltung und im Vertrieb wegfallen könnten.

Durch die geplante Fusion entstünde einer der größten Wälzlagerhersteller der Welt mit 6,4 Milliarden Euro Umsatz und 52 000 Mitarbeitern. Wälzlager werden unter anderem in Autos, Lkw und Flugzeuge eingebaut. Von FAG lagen am Donnerstag noch immer keine Details vor, wie das Übernahmeangebot abgewehrt werden soll.

Bei den Aktionärsschutzvereinigungen stößt das feindliche Übernahmegebot auf ein gespaltenes Echo. Klaus Schneider, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), empfiehlt den Aktionären, die Offerte abzulehnen, weil es sich um ein "Schnäppchenjagd-Angebot" handele. "Der Wert von FAG ist deutlich höher", sagte Schneider. Daniela Bergdolt, Landesgeschäftsführerin der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), äußerte sich weniger ablehnend. Die Offerte sei "nicht schlecht", sagte sie, schränkte aber ein: "Ich würde Aktionären erst einmal zum Abwarten raten." Die Erfahrung zeige, dass häufig ein noch besseres Angebot folge. FAG Kugelfischer hatte ebenfalls dringend gebeten, die Aktien nicht umzutauschen. Das Angebot sei zu billig, man suche nach Alternativen. Analysten sagten jedoch, dem Angebot könnten die Aktionäre schwer widerstehen.

INA bekräftigte die Absicht, die Kugelfischer-Aktien nach einer erfolgreichen Übernahme vom Börsenzettel streichen zu lassen. Sobald dies möglich sei, werde INA die verbleibenden FAG-Aktionäre auch zum Verkauf ihrer Anteile zwingen. Das so genannte "Squeeze out" (ausquetschen) soll 2002 gesetzlich ermöglicht werden. Bis dahin erhielten die restlichen Anteilseigner nach einem Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag eine Barabfindung oder einer Garantiedividende.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben