Wirtschaft : FAG Kugelfischer: Das Unternehmen führt eine aussichtslose Abwehrschlacht

Thomas Magenheim-Hörmann

Als vergangenen Freitagabend das Autotelefon von Uwe Loos läutete, stand dem Vorstandschef der Schweinfurter FAG Kugelfischer Georg Schäfer AG ein kurzer aber unangenehmer Wortwechsel bevor. "Am Montag haben Sie ein Übernahmeangebot auf dem Tisch", soll ihm sein Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung rüde unterbreitet haben. Der heißt Jürgen Geißinger und ist Geschäftsführer des Herzogenauracher Familienkonzerns Ina- Holding Schaeffler KG.

Seit dem stehen beide Franken an verhärteten Fronten in einem unerbittlichen Übernahmekampf. Ina bietet den FAG-Aktionären befristet bis 22. Oktober elf Euro je Aktie, was den FAG-Kurs vor der Offerte um rund die Hälfte übersteigt. Weil der im M-Dax für mittlere Werte gelistete Wälzlagerkonzern damit aber nahe seinem historischen Tiefststand notierte und Loos ein realistisches Kursziel von 20 Euro sieht, ist sein Urteil klar. "Das Angebot ist völlig unzureichend und steht in keinem Verhältnis zur Ertragskraft und Wertperspektive des Unternehmens", wetterte Loos vor seiner Belegschaft. Was ihn aber noch mehr wurmt, ist die Form des feindlichen Übernahmeplans. Geißinger habe erst gar nicht den Versuch unternommen, ernsthaft mit ihm zu reden. "So geht man nicht miteinander um", zeigte sich Loos empört. "Wenn Sie zu früh darüber reden, besteht immer die Gefahr einer Kursmanipulation", versucht Geißinger sein Vorgehen zu erklären. Im übrigen erwarte er einen Anruf von Loos, werde von sich aus aber nicht zum Hörer greifen. Loos sehe keinen Bedarf, das Gespräch mit Ina zu suchen, heißt es in Schweinfurt.

In Franken weht derzeit wahrlich ein rauher Wind. Demnächst könnten sogar "weiße Ritter" das Schlachtfeld der Manager betreten. Als solche Retter, die bei FAG Sperrminoritäten erwerben und sich damit schützend vor den Traditionskonzern stellen könnten, brachte Loos jetzt den japanischen Kooperationspartner NTN, aber auch den US-Konzern Timken oder einen Finanzinvestor ins Spiel. "Ich schließe nicht aus, dass NTN sagt, dies ist eine Situation, da müssen wir der FAG zur Seite stehen", meinte Loos. FAG und NTN würden schon länger über eine kapitalmäßige Verflechtung sprechen.

Vor einigen Monaten hatte sich das noch anders angehört. Angesichts branchenweiter Konsolidierung und Internationalisierung hatten die Deutschen und die Japaner vor einem halben Jahr auf Projektbasis einen Schulterschluss vereinbart, ausdrücklich ohne eine Fusion anzustreben. Ein solches Vorgehen biete viele Vorteile, vermeide aber die Probleme einer Verschmelzung, hatte Loos damals gesagt. Nun könnte ein solches Wagnis, die letzte Rettung vor der ungeliebten Ina sein. Wenn die zum Zug kommt, werde die FAG vom Kurszettel genommen und als "Spielball eines verschlossenen Familienkonzerns" zum reinen Produktionsstandort ohne Visionen degradiert, warnt Loos. Zudem sei Stellenabbau zu befürchten. "Ich kann das nicht mehr hören", entgegnet Geißinger gereizt. Es werde keine Zerschlagung der FAG und auch keinen Stellenabbau geben. Von der Börse nehmen will er den Konzern dagegen schon. Immerhin sei das Übernahmeangebot strategisch bestechend. Damit würde in Franken die weltweite Nummer drei der Wälzlagerbranche mit zusammen rund 13 Milliarden Mark Umsatz und über 50 000 Beschäftigten entstehen. Beide Franken würden angesichts weniger als zehn Prozent Produktüberlappung ideal zueinander passen und gemeinsam gute Wachstumsperspektiven haben. Die Schweinfurter sehen das ganz anders. Die Ina sei stark europalastig, als Zulieferer einseitig auf die Kfz-Industrie ausgerichtet und operiere damit im derzeit schwierigsten Segement der gesamten Branche. FAG habe dagegen durch das Bündnis mit NTN eine internationale Perspektive und biete spezialisierte Hightech-Produkte unter anderem für die Luft- und Raumfahrt, lobte Loos seine Strategie. Zusammen mit NTN sei die FAG so groß wie Branchenführer SKF aus Schweden und stehe damit vor einem Quantensprung. "Ina ist keine Alternative" sondern ein Rückschritt, sagt der FAG-Chef.

Auch die Belegschaft hat sich mittlerweile hinter ihn gestellt. Anders reagieren die FAG-Aktionäre. Bereits ein Fünftel der FAG-Anteile hat die Ina über die Börse gekauft und dafür rund 240 Millionen Mark bezahlt. Der in großen Zeitungsanzeigen abgedruckte FAG-Appell an die Aktionäre, vorerst keine Anteile zu verkaufen und die Entwicklung abzuwarten, zeigt bislang wenig Wirkung. Angesicht der derzeitigen weltpolitischen Lage ist vielen Anteilseignern der Spatz in der Hand offenbar lieber als die Taube auf dem Dach. Auch die Dresdner Bank hat nun ihren Vorstand Heinrich Linz aus dem FAG-Aufsichtsrat abgezogen und sich als Hausbank zurückgezogen. Als Kreditinstitut steht noch die Hypovereinsbank an der Seite der Schweinfurter. Bis zu 1,3 Milliarden Mark ist Geißinger eine Übernahme der Franken wert. Für diese Summe stehe die Deutsche Bank als Finanzpartner gerade. Minimal 75 Prozent der FAG will die Ina auf alle Fälle erwerben.

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