Fahrplanwechsel : Die Bahn tritt aufs Gas

Die Bahn verschärft das Tempo. Wenn an diesem Sonntag der neue Fahrplan für das 34.000 Kilometer lange Gleisnetz in Kraft tritt, lautet das Motto auf zahlreichen Strecken: "Schneller!"

Berlin - Nach dem Berliner Hauptbahnhof wird auch die Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen München und Nürnberg voll ins bundesweite Taktsystem eingebunden - das soll das Reisen quer durch die Republik beschleunigen. Im Nahverkehr beginnt ebenfalls eine neue Ära. Erstmals fahren Regionalzüge mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde. Eine weitere Änderung für 2007 kommt dagegen mit einer kurzen Schonfrist: Am 1. Januar steigen die Preise im Nah- und Fernverkehr.

Die Erwartungen an die jüngste Paradestrecke in Bayern sind hoch. Nach dem Ausbau für 3,6 Milliarden Euro rauschen die ICE seit Ende Mai mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde über die neue Trasse - das ließ die Fahrtzeit von München nach Nürnberg bereits um 25 Minuten schrumpfen. Künftig soll es aber nochmals 15 Minuten schneller in gut einer Stunde gehen. Denn ab Sonntag gilt auf einem weiteren Abschnitt Tempo 200 statt wie bisher Tempo 160. Und die Auswirkungen reichen bis in den Norden: Von München nach Hannover schmilzt die Reisezeit um 25 Minuten auf 4:12 Stunden. Nach Frankfurt/Main geht es im neuen Fahrplan mit 3:10 Stunden künftig 30 Minuten schneller.

Hauptbahnhof und Südtrasse sollen sechs Millionen Kunden bringen

Dass ihre weiß glänzenden ICE auf den Rennstrecken zwischen den Metropolen gegen die Konkurrenz von Auto und Billigfliegern punkten können, hat die Bahn schon erkannt. Von Hamburg nach Berlin und retour sitzen zum Beispiel täglich 3000 Menschen mehr in Fernzügen, seit die Trasse vor zwei Jahren für 230 Stundenkilometer ausgebaut wurde. In Berlin rechnen die Planer nach dem Start des Hauptbahnhofs und eines neuen Innenstadttunnels in Richtung Leipzig bis 2010 mit einem Sprung von 13 Millionen auf 19 Millionen Fernreisende im Jahr, die ein-, um- oder aussteigen. "Im Markt ist Platz für uns", sagt der Chef der Bahn-Fernverkehrssparte, Nikolaus Breuel.

Die Beschleunigung auf den Hauptstrecken sei attraktiv, heißt es auch bei Fahrgastvertretern. "Jeder kommt gern schnell ans Ziel, nicht nur Geschäftsreisende", sagt der Vorsitzende des Verbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. Doch abseits der Schnelltrassen werde das Fernzug-Angebot vielfach weiter ausgedünnt. Und wo statt IC-Zügen nur Regionalbahnen fahren, gebe es keine Speisewagen und Möglichkeiten zur Sitzplatzreservierung. Zumindest beim Tempo ebenbürtig sollen da die ersten Regionalzüge mit der neuen Rekordgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern sein - bisher waren maximal 160 zulässig. Die umgebauten Intercity-Wagen fahren ab Sonntag ebenfalls auf der Trasse München-Nürnberg, und zwar eine halbe Stunde langsamer als die ICE.

Bonusprogramme und Billigtickets sollen für Auslastung sorgen

Wirtschaftlich ist der Fernverkehr inzwischen wieder zu einem Zugpferd des bundeseigenen Konzerns geworden. Bis Ende Oktober stieg die Zahl der Fahrgäste um drei Prozent auf 94,8 Millionen. Die Auslastung blieb mit 43,9 Prozent stabil, obwohl das Platzangebot vergrößert wurde. Im neuen Jahr sollen auch ohne den Schub einer Fußball-WM die Sitze gut gefüllt werden. Das Bonusprogramm für Stammkunden mit Prämien vom Genussgutschein bis zur Pauschalreise wurde gerade erweitert. Und um ganz neue Kunden anzusprechen, locken von diesem Freitag an 29-Euro-Billigtickets beim Kaffeeröster Tchibo.

Bei den regulären Preisen müssen die Fahrgäste allerdings zum Jahreswechsel wieder tiefer in die Tasche greifen. Fahrkarten im Regionalverkehr außerhalb von Verkehrsverbünden werden um 3,9 Prozent teurer. Tickets für ICE, Intercity und Eurocity kosten künftig im Schnitt 5,6 Prozent mehr, wobei die Mehrwertsteueranhebung von 16 auf 19 Prozent enthalten ist. Der Verkehrsclub Deutschland warnte schon, neu gewonnene Kunden wieder an das Auto zu verlieren. "Wer pendeln muss, wird weiter den Zug nehmen", meint Pro-Bahn-Chef Naumann. "Aber vielleicht nicht mehr bei der nächsten Urlaubsreise." (Von Sascha Meyer, dpa)

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