Wirtschaft : Falsche Signale

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Der demokratische USPräsidentschaftskandidat John Kerry möchte den Mindestlohn in den USA von 5,15 Dollar auf sieben Dollar in der Stunde erhöhen. Wenn Kerry glaubt, dass eine Regierung verpflichtet ist, ihrer Bevölkerung ein gewisses Einkommensniveau zu garantieren, warum dann nicht gleich jeden Bürger mindestens in die Mittelklasse erheben? Der Grund ist – wie Kerry sehr wohl weiß –, dass Mindestlöhne kein Manna sind, das vom Himmel fällt. Hier auf Erden regulieren sich gewisse Löhne über den Markt. Für den Unternehmer muss die Bezahlung von Arbeit in einem gesunden Verhältnis zum Wert anderer Investitionsfaktoren stehen. Wird Arbeit zu teuer, werden weniger Arbeitskräfte eingestellt, insbesondere im Bereich der Minderqualifizierten.

Dies ist einer der etabliertesten Lehrsätze von Ökonomie, gleich nach dem freien Handel. Der Niedriglohnsektor ist der Weg in den ersten Arbeitsmarkt für Menschen, die schlecht ausgebildet sind. Die Frage ist also, wie viele arme Menschen möchte John Kerry um ihren Job bringen? Ein Grund, weshalb Beschäftigung und Produktivität in den USA so viel höher liegen als in Europa, ist der, dass wir statt des Versuchs, Armut durch hohe Mindestlöhne zu verringern, auf Steuererleichterungsprogramme wie den Earned Income Tax Credit (EITC) umgestellt haben. Dieses Modell trägt zusammen mit anderen Hilfsprogrammen dazu bei, die Einkommen der arbeitenden Armen aufzubessern.

John Kerrys Mindestlohn-Manöver setzt ein schlechtes Signal für die Richtung seiner Wirtschaftspolitik. Die deutet auf einen Kandidaten hin, der eher nach der Pfeife der Gewerkschaften tanzt, anstatt kreativ darüber nachzudenken, wie man Armut bekämpft. Wenn John Kerry wirklich die Einkommen verbessern will, könnte er sich der katastrophalen Verhältnisse des öffentlichen Bildungssystems in den ärmeren Vierteln der Großstädte annehmen. Doch das ist politisch schwierig. Es ist einfacher, als Vorkämpfer der Armen zu posieren und sich um die Konsequenzen später zu sorgen.

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