Wirtschaft : Familienunternehmen peilen Umsatz von 530 Millionen Mark an - Preisverfall drückt Margen

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Der stärker gewordene Wettbewerb zwingt auch mittelständische Unternehmen innerhalb der Branche der Gebäudereiniger zu festen Zusammenschlüssen. "Wir brauchen Größe, um von unseren Kunden ernst genommen zu werden", sagte Werner Gegenbauer zur Fusion seiner Firma mit der Bosse Unternehmensgruppe am Dienstag. Auch Claus Bosse, auf dessen Holding KG künftig 13 Prozent der Geschäftsanteile entfallen, geht davon aus, dass im enger gewordenen Markt Kooperationen zwingend nötig geworden sind. Claus Bosse: "Während einige unserer Wettbewerber noch über Fusionspläne nachdenken, können wir bereits die Chancen neu gewonnener Stärke nutzen."

Für Werner Gegenbauer, der in dieser bereits am 31. Januar besiegelten Allianz 67 Prozent des Kapitals hält, liegen die zusätzlichen Chancen in neuen Marktsegmenten und Regionen. Mit insgesamt 50 Standorten und 14 000 Mitarbeitern sei man schon heute flächendeckend in den neuen wie in den alten Bundesländern vertreten. Es gehe jetzt darum, die noch wenigen weißen Stellen auf der Landkarte in Angriff zu nehmen. Anders als die Konkurrenz habe man hier durch antizyklisches Verhalten bereits Boden gut gemacht, sagte Claus Bosse. Während die meisten Firmen auf dem Weg in die deutsche Hauptstadt seien, gründete seine Gruppe eine Niederlassung in Bonn.

Die erwarteten Synergien aus der Fusion ergeben sich, so Gegenbauer, nicht zuletzt bei den Mieten oder im Einkauf. Deckungsbeiträge kämen auf der Kostenseite aber auch aus dem Volumen. An vielen Standorten verdoppelt sich die Kundschaft der künftig unter den Namen GegenbauerBosse Holding GmbH und Co. KG, Berlin, formierenden Gruppe. Geschäftsführende Gesellschafter der Holding sind neben Claus Bosse und Werner Gegenbauer die Geschäftsleute Christian Lewandowski und Hartmut Schwerdt. Sie halten je zehn Prozent der Anteile.

Der starke Preisverfall bei den Gebäudereinigern hatte auch die Gewinnmargen der beiden Familienunternehmen nach unten gedrückt. Dennoch schreibe man in beiden Unternehmensteilen schwarze Zahlen und "könne mit dem Ergebnis leben", sagte Gegenbauer. Beim Umsatz hatte sich seine Firma bereits vor der Fusion hohe Ziele gesteckt. Im Jahre 2000 sollte der Gruppenumsatz von zuletzt 420 Millionen auf 500 Millionen Mark steigen. Erwartet werden für das laufende Geschäftsjahr in der neuen Formation 530 Millionen Mark. Gegenbauer: "Damit haben wir eine Punktlandung geschafft." In der Struktur soll die neue Gruppe unter der Holding wie bisher aus rechtlich selbstständigen Tochtergesellschaften bestehen. Die jeweils angebotenen Dienstleistungen und Tätigkeitsfelder würden sich aber durch einen gemeinsamen Qualitätsstandard und einer einheitliche Produktpalette auszeichnen, sagte Gegenbauer. Alle zentralen Aufgabenbereiche würden innerhalb des ersten Quartals neu organisiert. Geplant ist, Einkauf, Vertrieb und Marketing, sowie kaufmännische Abteilungen Qualitätsmanagement und Informationstechnologie künftig zentral zu erfassen.

Größere Wachstumspotenziale, die vor allem auf dem nationalen Markt erzielt werden sollen, sieht Gegenbauer in den Segmenten Gebäudemanagement, Sicherheit, Klinikdienste und Catering. Hier wurden schon in den vergangenen Jahren jeweils zweistellige Zuwachsraten erwirtschaftet. In der klassischen Gebäudereinigung seien auch für den Berliner Marktführer - 50 Prozent der Umsätze kommen aus Berlin und Brandenburg - die Spielräume sehr eng geworden. Allein in der Hauptstadt sind nach seinen Angaben mehr als 400 kleine und mittlere Unternehmen am Markt.

Die ersten Schritte auf den europäischen Markt machte Gegenbauer 1999 in Form einer institutionellen Zusammenarbeit mit zwei großen Firmen in Frankreich und Großbritannien. Die gemeinsam gegründete Firma Euroline mit Sitz in Brüssel werde sich zunächst an überregionalen Ausschreibungen beteiligen. Die gefundene Form "ist aber nicht für die Ewigkeit", sagte Gegenbauer auf Anfrage. Er könne sich gut vorstellen, dass sich daraus später eine noch engere Kooperation ergebe. In naher Zukunft sei an weitere Zusammenschlüsse jedoch nicht gedacht.

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