Wirtschaft : Fielmann mit dem höchsten Gewinn in der Geschichte

lip/HB

Der Hamburger OttoVersand, weltweit größter Versender, tritt angesichts der schwachen Einzelhandels-Konjunktur auf die Kostenbremse. Der Konzern kappt in Deutschland für seine rund 12 000 Mitarbeiter die im Weihnachtsgeld enthaltenen übertariflichen Gehaltszulagen und zahlt das Weihnachtsgeld nur noch als Tarifgehalt. So sollen Kosten in zweistelliger Millionenhöhe gespart werden. Selbst das Tarifentgelt wird nicht in voller Höhe überwiesen: Einen Anteil von 37,5 Prozent erhalten die Mitarbeiter als Warengutscheine.

Damit folgt der Otto-Versand dem Modell von Karstadt-Quelle, der vor einigen Jahren ebenfalls Warengutscheine an seine Arbeitnehmer ausgab. "Der Otto-Versand hat sich wegen der verschlechternden Einzelhandelslage in Deutschland dazu entschlossen, den übertariflichen Sockel zu reduzieren", erklärte ein Firmensprecher die Entscheidung. Für den Otto-Konzern ist die jetzt mit dem Betriebsrat getroffene Vereinbarung ein Novum: "Erstmals in der Firmengeschichte des Unternehmens greift Otto in die Besitzstände der Mitarbeiter ein", sagte ein Betriebsratsmitglied dem Handelsblatt.

Die Gewerkschaft Verdi bewertet die Maßnahme als notwendig, um die weitere Wettbewerbsfähigkeit des Versenders zu gewährleisten. "Der Otto-Versand ist gezwungen, sich der veränderten Lage im Einzelhandel anzupassen", erklärte eine Sprecherin. Bereits im Geschäftsjahr 2000/2001 hatte der Handelskonzern bei einem Umsatzplus von knapp 13 Prozent auf 17 Milliarden Euro einen Gewinnrückgang verzeichnet. Der Überschuss war auf 258 (322) Millionen Euro gesunken. Für das kommenden Donnerstag ablaufende Geschäftsjahr nennt Otto noch keine Zahlen. Der Versender hatte im August 2001 aber angekündigt, dass der Konzernumsatz bis dato nur um 2,5 Prozent zugelegt habe. Dabei hatte Otto aber noch nicht die Auswirkungen der Anschläge des 11. Septembers gekannt.

Wie das Handelsblatt aus Firmenkreisen erfuhr, befürchten die Mitarbeiter nach den jetzigen Gehaltseinbußen weitere Schritte. Danach werden Stellenstreichungen im Inland nicht mehr ausgeschlossen. Ein Unternehmenssprecher wies dies jedoch zurück: "Es ist kein Arbeitsplatzabbau geplant."

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