Wirtschaft : Finanz-ABC: Indices - Richtschnur für Händler und Anleger

THOMAS LUTHER

Indices bündeln Informationen Von THOMAS LUTHERAn der Börse werden an jedem Tag Wertpapiere im Wert von Millionen gekauft und verkauft.Einige Papiere verlieren dabei im Kurs, andere legen ein paar Mark zu oder liegen unverändert ­ je nach Angebot und Nachfrage.Bei hunderten von Aktien auf dem Kurszettel können Makler, Händler und Anleger unmöglich die Kursentwicklung jedes einzelnen Papiers im Auge behalten.Was sie allerdings interessiert, ist die Frage, wie die allgemeine Tendenz an einem Tag war oder wie sich der Gesamtmarkt über einen bestimmten Zeitraum hinweg entwiêkelt hat.Bereits Anfang des Jahrhunderts gingen deshalb amerikanische Börsenspezialisten daran, eine Kennzahl zu entwiêkeln, die diese Information liefert.Mit durchschlagendem Erfolg: Der daraus entstandene Dow-Jones-Index gilt seitdem als wichtigste Richtschnur für die Kursenticklung US-amerikanischer Aktien. Die Grundidee eines Index ist simpel: Eine bestimmte Anzahl von Aktien oder Anleihen wird zu einem Korb zusammengestellt.Durch Aufsummieren der Einzelkurse und Errechnung eines Durchschnittkurses ermittelt man im einfachsten Fall den Indexwert.Wiederholt man diese Prozedur während einer Börsensitzung oder an aufeinanderfolgenden Börsentagen, ergibt sich der Indexverlauf.Index ist in der Praxis aber längst noch nicht gleich Index.Von Fall zu Fall gibt es erhebliche Unterschiede in Punkto Berechnungsmethode und Struktur des Wertpapierkorbes.Der Deutsche Aktienindex Dax zum Beispiel hat die Aufgabe, ein aktuelles und zugleich repräsentatives Bild des deutschen Aktienmarktes zu zeichnen.In seine Berechnung gehen nur die 30 wichtigsten deutschen Aktien ein, die anhand der Kriterien Marktkapitalisierung (Anzahl der Aktien mal aktueller Kurs) und Umsatzvolumen ausgewählt werden.Da sich beide Größen ständig ändern, wird die Zusammensetzung des Dax von Fachleuten der Deutschen Börse AG regelmäßig überprüft.Außerdem geht jede Aktie mit einem bestimmten Anteil in den Index ein.Beispielsweise hat die Allianz-Aktie als marktschwerstes deutsches Papier ein Indexgewicht von fast zehn Prozent. Der Dax und sein kleiner Bruder MDax, der den Kursverlauf von 70 Aktien aus der "zweiten Reihe" zusammenfaßt, sind als Performance-Indizes konstruiert.Das heißt, bei der laufenden Berechnung wird davon ausgegangen, daß sämtliche Erträge des Aktienkorbs wie Dividenden oder Bezugsrechte rechnerisch wieder angelegt werden.Damit haben beide Indizes das Zeug dazu, als ein neutraler Vergleichsmaßstab herzuhalten ­ einer sogenannten "benchmark" ­, anhand dessen sich der Erolg einer Anlage in deutschen Aktien messen läßt.Schneidet ein deutscher Aktienfonds in einem Jahr schlechter als der Index ab, hat der Manager kein glückliches Händchen bei der Aktienauswahl bewiesen, gelingt es ihm den Index zu schlagen, gilt das als besonderer Erfolg.Was der Dax für deutsche Aktien ist der Deutsche Rentenindex Rex für inländische festverzinsliche Wertpapiere.Anders als sein Aktienkollege ist der Rex allerdings ­ ebenso wie der bekannte Dow Jones-Index bei den Aktien ­ als reiner Kursindex konstruiert, das heißt, es werden lediglich Kursveränderungen gemessen, zwischenzeitliche Erträge bleiben unberücksichtigt. Im Zeitalter der Derivate sind Indizes auch von den Terminbörsen nicht mehr wegzudenken.Durch den Kauf einer Option oder den Abschluß eines Termingeschäfts auf den Index, haben spekulationsfreudige Anleger die Möglichkeit, auf einen gesamten Markt zu setzen, ohne sich um die Auswahl einzelner Titel kümmern zu müssen.

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