Wirtschaft : Finanz-Manipulation bei Worldcom Der US-Telekomkonzern verbucht vier Milliarden Dollar falsch

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Berlin (msh). Hauptauslöser für den Kursrutsch an den Börsen war die Meldung, dass der amerikanische Telekommunikationskonzern Worldcom seine Bilanzen geschönt hat. In einer internen Prüfung habe sich herausgestellt, dass Bilanzposten im Wert von 3,9 Milliarden Dollar falsch verbucht worden seien, teilte das Unternehmen mit. Ohne die Falschbuchungen hätte Worldcom im Jahr 2001 und im ersten Quartal 2002 einen Nettoverlust statt eines Gewinns ausweisen müssen. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat die Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen.

Nach der Pleite des Stromhändlers Enron haben die USA damit ihren nächsten Finanzskandal. Bilanzmanipulationen wie bei Enron vermutet die SEC auch in der krisengeschüttelten Telekombranche. Sie ermittelt derzeit gegen die Telekomkonzerne Global Crossing und Qwest. Firmen wie Worldcom oder Qwest hatten sich in den vergangenen Jahren massiv verschuldet, um neue Kommunikationsnetze aufzubauen. Der Internetboom versprach eine scheinbar unbegrenzte Nachfrage nach Services wie Datenübertragung oder Telefonie. Nach dem Platzen der Internetblase stehen die Unternehmen jetzt vor gewaltigen Überkapazitäten.

Der im Mai angetretene Worldcom-Chef John Sidgmore reagierte mit dem Rauswurf seines Finanzchefs auf die Manipulationen. Um die Kosten zu senken, sollen 17 000 Mitarbeiter entlassen und Randgeschäfte verkauft werden. Noch unklar ist, ob auch die deutsche Niederlassung mit 1400 Beschäftigten betroffen ist. Die Buchführungsprobleme von Worldcom gefährden nach Ansicht von Analysten auch die Verhandlungen mit Gläubigern über die Finanzierung von dringend benötigten fünf Milliarden Dollar. Ohne die Finanzspritze drohe Worldcom schlimmstenfalls die Pleite, heißt es.

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