Wirtschaft : Finanzdienstleister: Das Konzept kommt an

Tobias Symanski

Finanzdienstleister nehmen gerne das in die Hand, was vielen Menschen ein Graus ist - Geldgeschäfte. Der Vorteil: Die Vermittler bieten eine breite Palette unterschiedlicher Produkte aus der gesamten Finanzwelt - Versicherungen, Bankenprodukte, Bausparverträge oder Investmentfonds. Das Konzept kommt trotz der oftmals als "Türklinkenputzer" verschrienen Branche an. Die Wachstumsraten liegen im hohen zweistelligen Bereich; der Trend, in die private Altersvorsorge zu investieren, gibt den Unternehmen weitere Impulse. Die Aktien der Finanzdienstleister konnten davon bislang jedoch weniger profitieren. Im September noch notierte die Vorzugsaktie des Marktführers MLP bei 180 Euro, verlor seitdem aber die Hälfte an Wert. Dabei überraschte der Heidelberger Finanzdienstleister die Analysten vor kurzem mit den endgültigen Zahlen für 2000. Diese konnten die bisherigen Zuwachs-Prognosen von 40 Prozent bei Umsatz und Gewinn noch um weitere zehn Prozent übertreffen.

"Strong Buy" lautet daher das Urteil der Bank Julius Bär. Die jüngsten Kursrückschläge der MLP-Aktie seien unbegründet, urteilt deren Analyst Simon Fößmeier in seiner Studie. Fößmeier bleibt optimistisch: MLP besitze das wettbewerbsfähigste Geschäftsmodell unter den europäischen Finanzdienstleistern. Der Fokus auf vermögende Privatkunden sichere langfristiges Wachstum auf hohem Niveau, ist der Analyst überzeugt. Auch die Berenberg Bank hat das MLP-Papier zum Kauf empfohlen und veranschlagt das Kursziel bei 180 Euro.

Victor Heese von der WGZ-Bank sieht das ganz anders. "Alle schreien zu Unrecht Hurra", meint Heese. Bei einem aktuellen KGV von deutlich über 100 hält der WGZ-Analyst die MLP-Aktie trotz Korrekturphase immer noch für zu teuer. Andere Unternehmen mit einer vergleichbar hohen Bewertung seien in den letzten Monaten von den Anlegern abgestraft worden. "Es kann nicht sein, dass man bei MLP mal eine Ausnahme macht", sagt Heese. Deswegen führt er das MLP-Papier weiterhin als "Underperformer" und erwartet in nächster Zeit weitere Kursrückschläge. Trotz der guten Wachstumsaussichten von durchschnittlich 30 Prozent bleibt Heese skeptisch gegenüber dem Geschäftsmodell von MLP: "Die Altersvorsorge für Jungakademiker erfordert kein spezielles Know-how." Deswegen könne es auch von einem Versicherungskonzern wie beispielsweise der Allianz ohne Schwierigkeiten kopiert werden.

Im Gegensatz zu MLP hat die Aktie der Hannoveraner AWD AG ihren Anlegern bisher noch überhaupt keine Freude bereitet. Seit dem Börsengang im Herbst letzten Jahres gab es für das Papier nur eine Richtung - abwärts. Von 73 Euro rutschte AWD auf unter 40 Euro ab. Dabei ist die Wachstumsstory des norddeutschen Finanzdienstleisters nach Meinung der Berenberg Bank weiterhin intakt. Analyst Hartmuth Höhn erwartet in den nächsten drei Jahren ein durchschnittliches Umsatzwachstum von mindestens 20 Prozent. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 48 für das Jahr 2003 sei AWD nur auf den ersten Blick hoch bewertet. "Die gute Marktpositionierung sowie das zu erwartende hohe Unternehmenswachstum gepaart mit einer steigenden Rentabilität rechtfertigen eine Höherbewertung", schreibt Höhn in seiner Studie. Das mittelfristige Kursziel liege zwischen 70 und 80 Euro.

Eine Milliarde Mark hat AWD noch vom Börsengang übrig und will damit vor allem weitere Akquisitionen finanzieren. Wie AWD-Finanzvorstand Ralf Brammer aber betont, wird das Geld frühestens im zweiten Halbjahr zum Einsatz kommen. Spekulationen, nach denen AWD an Wettbewerber Tecis interessiert sei, erteilt Brammer eine Absage. Gerade wegen der im Vergleich zu MLP oder AWD deutlich geringeren Marktkapitalisierung wurde Tecis in letzter Zeit als Übernahmekandidat gehandelt. Doch das konnte die Aktie des einstigen Börsenlieblings nicht beflügeln. Die Finanzierung des stürmischen Wachstums belastet das Ergebnis in den nächsten Jahren; der dadurch nach unten revidierte Ausblick hält die Aktie derzeit am Boden. Zwar soll der Jahresüberschuss in 2001 laut Tecis um 62 Prozent auf 6,4 Millionen Euro steigen. Ursprüngliche Planungen lagen jedoch bei 8,1 Millionen Euro. Auch in 2002 rechnen die Hamburger mit rund einer Million weniger (11,2 Millionen Euro) als eigentlich geplant. Deswegen hat die Berenberg Bank die Aktie von "Kaufen" auf "Akkumulieren" zurückgestuft. Das Urteil von M.M. Warburg lautet "Halten".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben