Wirtschaft : Finanzdienstleister MLP: Streit mit Aktionären lähmt das Heidelberger Unternehmen

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Der Aktienkurs dümpelt seit Monaten vor sich hin und jetzt blockieren Aktionäre mit einer Anfechtungsklage auch noch die Beschlüsse, die dem Heidelberger Finanzdienstler MLP endlich den Weg in den Dax 30, den wichtigsten Aktienindex hierzulande, ebnen sollten. MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen hat derzeit keinen leichten Stand. Von "Plünderung einer Aktiengesellschaft auf Kosten der Aktionäre" und von "Selbstbedienung der Führungsetage" ist die Rede in der Klage von Aktionärsschützerin Anneliese Hieke. MLP weist die Vorwürfe entschieden zurück und prüft seinerseits eine Klage gegen die Aktionärin. Die Lage ist alles andere als eindeutig, zumal sich auch die Aktionäre nicht einig sind.

Die Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK) sieht nach Angaben ihres Sprechers Rudolf Heinz "überhaupt keine Probleme". Das Management habe sich nicht selbst bedient, Aktionäre würden in keiner Weise beschädigt. Bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sieht man die Dinge zwar kritisch, wie Pressesprecherin Petra Krüll sagt, aber von einer Klage habe man abgesehen, weil man MLP den Weg in den Dax 30 nicht verbauen will. Dies würde der Aktie Schwung verleihen und damit den MLP-Aktionären zugute kommen. Aber bis dahin ist es noch ein Stück: Am 13. Februar ist erster Verhandlungstermin vor dem Landgericht Heidelberg, dann, da ist sich MLP-Sprecherin Jutta Funck sicher, geht es in die nächste Instanz. Es kann dauern, bis die Dinge geklärt sind.

Damit lassen sich auch die mit überwältigender Mehrheit aller Aktionäre gefassten Beschlüsse der außerordentlichen MLP-Hauptversammlung im November nicht umsetzen: Damals wurde eine Struktur für das Unternehmen und die Umwandlung aller Vorzugs- in Stammaktien festgezurrt. So sollen die vier Tochterunternehmen MLP Lebensversicherung AG, MLP Vermögensverwaltung AG, MLP Versicherung AG und MLP Login vollständig in die MLP Holding integriert werden. Bisher liegen knapp die Hälfte der Anteile bei den Familien von MLP-Aufsichtsratschef Martin Lautenschläger und Vorstandschef Termühlen. Über eine Kapitalerhöhung sollen bis zu 29,5 Millionen neue MLP-Stammaktien ausgegeben und an die Familien Termühlen und Lautenschläger übertragen werden. Marktwert derzeit rund 3,3 Milliarden Euro.

All dies trifft auf den Widerspruch von Aktionärsvertreterin Hieke. Sie wirft den Managern Bereichung auf Kosten der anderen Aktionäre vor. Der Wert der Tochterunternehmen sei in "sittenwidriger Art und Weise" zu hoch angesetzt. Im übrigen werde durch die Kapitalerhöhung der Wert der einzelnen Aktie gemindert. Termühlen kontert und wirft Hieke Rufschädigung vor. "Die Bewertung der MLP-Töchter und die daraus resultierenden Umtauschverhältnisse sind angemessen und fair. Die Unternehmen wurden durch mehrere neutrale Gutachten geprüft." Zudem sei die Bewertung der Töchter für die Minderheitsaktionäre Termühlen und Lautenschläger mit einem Abschlag von 40 Prozent versehen worden. "Der Vorwurf, die beiden Hauptaktionäre würden sich einen Vorteil verschaffen, ist bei einem solchen Abschlag abwegig." In etwa fünf Jahren, prognostiziert er, würden die Gewinne durch die Transaktion höher sein als ohne die volle Einbindung der Töchter in die Holding.

Unterstützung erhält MLP von Analysten. Simon Fößmeier vom Bankhaus Julius Bär hält die Klage für "völligen Unfug". Die Gutachten seien fair, von Schädigung der Aktionäre könne, so Fößmeier, keine Rede sein. Im übrigen müsse man sich die Entwicklung des Finanzdienstleisters vor Augen halten. "Welches andere Unternehmen ist in den letzten Jahren so schnell und so profitabel gewachsen und welches Unternehmen hat noch ein solches Potential?"

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