ANLEGER Frage : an Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen der Landesbank Berlin

Geldmarktfonds künftig meiden?

an Claus-Günther Richardt

Geldmarktfonds gehören zu den beliebtesten Anlageprodukten der Deutschen. Jeder vierte Fonds schreibt jedoch rote Zahlen – eine Folge der Finanzkrise. Sollte man Geldmarktfonds jetzt mit Verlust verkaufen und in Zukunft meiden?

Euro-Geldmarktfonds galten lange als sicher und als idealer „Parkplatz für Geld“. Seit August 2007 gibt es bei einzelnen Fonds jedoch Verluste, die bei einem Geldmarktfonds nicht auftreten dürften. Ihre bessere Wertentwicklung hatten diese Fonds oft durch eine höhere Risikostruktur erreicht.Wo lag das Problem?

Auch einige Euro-Geldmarktfonds hatten in Asset Backed Securities (ABS) investiert. Dies sind höher rentierliche „mit Finanzaktiva (Asset) besicherte (Backed) Wertpapiere (Securities)“, also Wertpapiere, die mit unterschiedlichen Forderungen unterlegt sind. Zum Beispiel mit Konsumenten- oder Immobilienkrediten. Im Zuge der US-Hypothekenkrise fielen die Börsenkurse dieser Papiere und auch der Wert der Fonds. Die Frage, ob man einen solchen Fonds nun mit Verlust verkaufen soll, kann jeder Anleger nur individuell für sich selbst entscheiden, am besten in Rücksprache mit seinem Anlageberater.

Soll man Geldmarktfonds in Zukunft meiden? Nein. Wer Gelder kurzfristig, bis circa drei Monate Anlagedauer, parken will, ist mit Geldmarktfonds in der Regel gut bedient. Die Mehrzahl der normalen Euro-Geldmarktfonds hat eine konservative, sichere Anlagepolitik. Die Fonds sind flexibel und haben meist keinen Ausgabeaufschlag . Anleger sind aber gut beraten, auf Folgendes zu achten.

Erstens: Die Kosten. Ein Ausgabeaufschlag ist aufgrund der Kurzfristigkeit der Anlage nicht akzeptabel. Ähnliches gilt für die interne Kostenbelastung. Produkte mit niedrigerer Kostenbelastung dürften fast immer besser abschneiden als solche mit hohen Managementkosten. Zweitens: Die Risikostruktur. Eine bessere Wertentwicklung als bei vergleichbaren Produkten kann aufgrund anderer Risikostrukturen zustande gekommen sein. Da ist Vorsicht geboten. Konservativ gemanagte Fonds setzen den Schwerpunkt auf variabel verzinsliche Anleihen öffentlicher Emittenten, zum Beispiel Staatsanleihen, und auf Pfandbriefe mit variabler Verzinsung. Die Rendite dieser Fonds liegt bei rund vier Prozent pro Jahr.

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