ANLEGER-Frage : Bei Börsengängen nichts verpasst

Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, beruhigt Privatanleger, die die Börsengänge der letzten Wochen verpasst haben.

an Klaus Schneider

In den vergangenen Wochen ist es nach langer Zeit einigen Unternehmen wieder gelungen, an die deutsche Börse zu gehen. Meist haben dabei Private-Equity-Eigentümer Kasse gemacht. Lohnt es sich für Privatanleger, bei solchen Neuemissionen dabei zu sein? Worauf ist zu achten?



Nach der langen Neuemissionsflaute an der deutschen Wertpapierbörse ist es bezeichnend, dass sich jetzt gerade Unternehmen aus dem Besitz von Private- Equity-Firmen als erste auf das Börsenparkett gewagt haben. Aber bei den Finanzinvestoren befinden sich viele Beteiligungen, die nach deren Verständnis reif für einen Weiterverkauf beziehungsweise einen Börsengang sind. Deshalb haben mit Kabel Deutschland, Brenntag und Tom Tailor Finanzinvestoren gleich drei Unternehmen in kurzer Abfolge an die Börse gebracht.

Ob neben den abgebenden Investoren auch die Privatanleger von den Börsengängen profitieren, ist eine berechtigte Frage. Die drei erwähnten Unternehmen notieren heute in einer Spanne von rund fünf Prozent über oder unter dem Ausgabekurs, ordentliche Zeichnungsgewinne waren hier also nicht zu machen. So gesehen haben Privatanleger nichts versäumt.

Börsengänge von Private-Equity-Eigentümern zeichnen sich üblicherweise durch einige Merkmale aus, die der Privatanleger kennen sollte, um seine Chancen richtig zu bewerten. So geht ein Emissionserlös häufig zu großen Teilen oder – wie bei Kabel Deutschland – ganz an den oder die bisherigen Eigentümer. Wenn dann noch ein Erlös im Unternehmen verbleibt, dient er häufig dazu, die enormen Schulden, die die Finanzinvestoren dem Unternehmen aufgehalst haben, zu tilgen. Für die Unternehmensexpansion bleibt dann nichts mehr übrig.

Ein weiteres typisches Merkmal neben hohen Finanzverbindlichkeiten sind sehr hohe immaterielle Vermögenswerte, wie zum Beispiel Firmenwerte. Sie bergen das hohe Risiko, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten schlagartig an Wert zu verlieren und dem Unternehmen somit große Verluste zu bescheren.

Schließlich gelingt es den abgebenden Finanzinvestoren oft nur durch argumentative Rechenkunststücke, einen ordentlichen Unternehmensgewinn darzustellen. So wird das Ergebnis gerne um Firmenwertabschreibungen, die Kosten von Umstrukturierungen, die Kosten des Börsengangs oder um Finanzierungskosten bereinigt dargestellt, um bei Investoren mit einem guten Gewinn glänzen zu können.

Zusammengefasst kann man also festhalten, dass der Privatanleger nicht unbedingt bei Neuemissionen von Private- Equity-Eigentümern dabei sein muss.

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