Anlegerfrage : an Helmut Kaiser

Die US-Großbanken haben mit wenigen Ausnahmen deutlich bessere Zahlen für das zweite Geschäftsquartal vorgelegt, als Analysten erwartet hatten. Ist die Finanzkrise ausgestanden – und sind Finanzwerte wieder ein lohnendes Investment für Privatanleger? Helmut Kaiser, Chefinvestmentstratege für Privatkunden der Deutschen Bank antwortet.

an Helmut Kaiser

Die hohen Gewinne, die vor allem einige US-Banken für das zweite Quartal vorlegen konnten, haben maßgeblich dazu beigetragen, dass neue Jahreshöchststände im Deutschen Aktienindex (Dax) und anderen wichtigen Aktienindizes erreicht wurden. Wir werten dies als positives Zeichen für eine Stabilisierung des Finanzsystems, sehen aber weiterhin Grund zur Differenzierung und Vorsicht, sowohl gesamtwirtschaftlich als auch bei den Banken.

Die guten Quartalsergebnisse im Finanzsektor, vor allem im Investmentbanking, wurden von verschiedenen Entwicklungen getragen: Besonders hat die Rückkehr des Risikoappetits bei vielen Investoren geholfen, die zu deutlich positiv tendierenden Aktien- und Rohstoffmärkten führte. Damit geht einher, dass sich im Emissionsgeschäft wieder gute Erträge erzielen lassen.

Zudem wird deutlich, dass gerade Banken sich leichter als bisher Kapital an den internationalen Märkten beschaffen können. Wegen der global starken Zinssenkungen sind außerdem die meisten Zinskurven inzwischen sehr steil, was traditionell gut für das Geschäft von Banken ist. Die Aktienkurse wurden aber nicht nur von der Aussicht auf bessere Erträge unterstützt, sondern auch dadurch, dass der mögliche Zusammenbruch des Finanzsystems aus den Kursen ausgepreist wurde, also nicht mehr enthalten ist.

An den Aktienkursen lässt sich aber auch ablesen, dass die Marktteilnehmer klar zwischen einzelnen Kreditinstituten unterscheiden. Die Neuausrichtung der Bankbilanzen ist noch nicht abgeschlossen. Während die Abschreibungen im Zusammenhang mit Wohnimmobilien, von denen die Finanzkrise ausging, inzwischen weit fortgeschritten sind, könnte es vor allem bei Gewerbeimmobilien sowie Kreditkarten- und Autokrediten weiteren Abschreibungsbedarf geben. Das Volumen von Gewerbeimmobilienkrediten bei US-amerikanischen Banken beträgt immerhin insgesamt knapp 1700 Milliarden US-Dollar.

Dennoch gibt es im Bankensektor für Privatanleger durchaus langfristig attraktive Titel. Wir bevorzugen Kreditinstitute mit einem möglichst breit diversifizierten Geschäftsmodell – also weder ausschließlich Privatkundenbanken noch reine Investmentbanken –, einer guten Kapitalausstattung und globaler Reichweite.

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