Finanzen : Engpass am Geldmarkt

Die Finanzkrise hat die vermeintlich wertstabilen Fonds erwischt – kein Grund zur Panik

Henrik Mortsiefer

Am Geldmarkt konnten sich Anleger früher vor Abstürzen am Aktienmarkt in Sicherheit bringen. Fonds, die in Festgelder oder kurzlaufende, festverzinsliche Wertpapiere investierten, galten als krisenfest und wertstabil. Seit die Krise am amerikanischen Immobilienmarkt weltweit Kreise zieht, ist das anders geworden. Fast jeder vierte Geldmarktfonds hat im August ein Minus gemacht. „Im September hat sich die Lage etwas beruhigt“, beschwichtigt ein Sprecher des Branchenverbandes BVI. Doch es zeigt sich: Auch am Geldmarkt war der Renditehunger einiger Fondsmanager zu groß.

Auf der Suche nach dem Extra-Ertrag waren sie in der Vergangenheit auch Extra-Risiken eingegangen – zum Beispiel auf dem Markt für US-Hypothekendarlehen niedriger Bonität (Subprime). Das Zauberwort hieß ABS, Asset Backed Securities. Der Kauf dieser Wertpapiere versprach höhere Renditen als gewöhnliche Termineinlagen oder kurzfristige Staatsanleihen. Doch es kam anders. Die Sicherheiten, mit denen die ABS hinterlegt waren – Forderungen aus Immobilienkrediten, Zahlungsverpflichtungen aus Kreditkarten oder Autoleasinggeschäften – erwiesen sich massenhaft als wertlos, weil US-Verbraucher ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten.

Die Folge: Nicht nur ABS-haltige Geldmarktfonds, sondern auch konservativ investierte Fonds gerieten in eine Abwärtsspirale. Etliche Gesellschaften mussten die Notbremse ziehen und Fonds schließen – sonst hätte die Verkaufswelle den Schaden noch vergrößert. Die Bremsspuren waren auch auf dem deutschen Markt deutlich zu sehen, wo Geldmarktfonds im ersten Halbjahr mit Nettozuflüssen von rund 28 Milliarden Euro die beliebteste Anlagekategorie waren. Im August zogen Anleger 4,2 Milliarden Euro aus Geldmarktfonds ab – im Juli hatten sie noch 4,7 Milliarden Euro investiert.

Macht ein Verkauf – soweit möglich – jetzt noch Sinn? Und sollten Anleger, die an ein Investment gedacht haben, lieber Abstand von Geldmarktfonds nehmen?

KLASSISCHE FONDS WÄHLEN

Trägt ein Fonds den Zusatz „ABS“ oder „Plus“, spricht einiges dafür, dass er sich nicht mit der Anlage am klassischen Geldmarkt begnügt, sondern auch riskantere Papiere im Depot hat. Allerdings muss ABS nicht immer heißen, dass es sich um Kreditverbriefungen vom US-Häusermarkt handelt (siehe Kasten). Anleger, die sichergehen wollen, meiden dennoch solche Produkte. Auch die großen Flaggschiffe mit gutem Rating, die ausschließlich in ABS-Papiere mit höchsten Bonitätsnoten investieren, sind kein Garant mehr für eine hohe Rendite. So hat etwa der fünf Milliarden Euro schwere „Pioneer-Investments-Euro-Geldmarkt- Plus (früher Activest-Euro-Geldmarkt- Plus)“, den die Agentur Morningstar mit fünf Sternen versieht, im August 0,2 Prozent verloren. Binnen zwölf Monaten ist nur ein dünnes Plus von 2,1 Prozent übrig geblieben. Besser fahren Anleger mit strikt konservativ anlegenden Fonds. Ein Beispiel: Der geldmarktnahe „Uni Euro Flex“ von Union Investment, der in einem Jahr immerhin 3,1 Prozent einfuhr und von der Subprime-Krise gänzlich verschont geblieben ist. Von einem hektischen Verkauf oder der schnellen Umschichtung raten Experten indes ab. „Keine Panik“, empfehlen die Experten von „Finanztest“ im Oktober-Heft und raten Anlegern: „Sie können Geld, das Sie in Geldmarktfonds angelegt haben, dort ruhig lassen.“

RISIKEN PRÜFEN

Beim Abwägen von Chancen und Risiken sollten Anleger, die Geld anlegen wollen, einen Blick in den Verkaufsprospekt des Geldmarktfonds werfen oder beim Bankberater genauer nachfragen. Je konservativer das Fondsmanagement agiert, desto kleiner das Risiko. Auch ist eine höhere Kassenhaltung ein Indiz dafür, dass der Fonds flexibel auf Krisen reagieren kann. Zwar haben sich die Noten der Ratingagenturen oft als zu optimistisch erwiesen. Dennoch sind Fonds, die in Triple-A-Papiere (AAA) investieren, im Zweifel besser gegen Verluste abgesichert. Vorsicht ist bei vermeintlich hohen Renditen von Dollar-Fonds angebracht – in Euro umgerechnet sieht die Bilanz angesichts des schwachen Dollars meist mager aus.

ALTERNATIVEN

„Wir setzen grundsätzlich keine Geldmarktfonds ein“, sagt Oliver Hagedorn, Vorstand des Berliner Vermögensverwalters Avesco. „Die brauchen Anleger eigentlich nicht.“ Als alternativen Parkplatz für kurzfristig verfügbares Bargeld empfiehlt Hagedorn Tagesgeldkonten bei Banken guter Bonität, die dem deutschen Einlagensicherungsfonds angeschlossen sind. Hier sind mittlerweile mehr als vier Prozent an Zinsen pro Jahr zu bekommen. „Anleger sollten nur so viel Geld verzinst parken, wie sie unbedingt als Reserve brauchen“, sagt Hagedorn. Als Faustformel gelte dabei: drei bis sechs Monatsausgaben plus eventuelle größere Investitionen wie ein Autokauf binnen zwölf Monaten. „Bei Senioren kann das Liquiditätspolster etwas dicker sein“, sagt der Vermögensverwalter. Geldmarktfonds, so sein Fazit, seien Geldvernichtung. Nach Abzug von Kapitalertragssteuer, Soli und Inflation bleibe meist nichts vom Ertrag übrig.

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