Finanzbranche : Aufstand der Hedge-Fonds

Die EU plant strenge Regeln für Hedge-Fonds, doch die Branche wehrt sich.

Michael Maisch (HB)D
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Helle Aufregung. Helle Aufregung. London verteidigt seine Hedge-Fonds gegen strenge Regeln. Foto: dpaepa

London - Die Finanzbranche kämpft an allen Fronten gegen die drohende Verschärfung ihrer Spielregeln. Jetzt sind die Hedge-Fonds an der Reihe, die bekannt sind für hochspekulative Anlagestrategien. EU-Politiker, vor allem aus Frankreich und Deutschland, wollen die Krise nutzen, um die bisher weitgehend unregulierte Branche endlich strenger zu kontrollieren. Sie wollen den Fonds Fesseln anlegen, solange diese durch die Krise geschwächt sind. Die EU-Kommission präsentierte bereits im April die vorläufige Fassung einer entsprechenden Richtlinie. Wie viel davon umgesetzt wird, zählt zu den spannendsten Regulierungsfragen des neuen Jahres.

Die Branche wehrt sich gegen die geplanten Auflagen. Die Hedge-Fonds beteuern ihre Unschuld an der Finanzkrise. Sie fühlen sich zu Unrecht in Sippenhaft mit den Banken genommen. Der Londoner Lobbyverband Alternative Investment Management Association (Aima) befürchtet massive Schäden für die Branche. Aber auch Großinvestoren wie die britischen Versicherer warnen, dass die EU-Bürokraten mit ihrer Regulierungswut eine wertvolle Alternative für die Anleger abzuwürgen drohten.

Eine von der EU in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Schluss, dass der Regulierungsentwurf in seiner ursprünglichen Form jährlich bis zu 0,2 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum kosten könnte. Die Studie sieht auf die Branche einmalige Kosten von 22 Milliarden Euro zukommen, hinzu kämen jährliche Einbußen von vier Milliarden Euro.

Die Krise hat die Hedge-Fonds im letzten Jahr empfindlich getroffen. Ein durchschnittlicher Fonds bescherte den Anlegern einen Verlust von rund 18 Prozent. Viele Investoren zogen ihr Geld daraufhin ab. Dadurch fiel das von den Fonds verwaltete Kapital von rund zwei Billionen Dollar auf ein Tief von 1,3 Billionen. Hunderte von Anbietern gaben auf, andere sperrten ihre Fonds kurzfristig. Die Deutsche Bank rechnet aber damit, dass die Branche bis Ende 2010 die Verluste beim Anlagekapital wieder wettmacht.

Kein einziger Hedge-Fonds hat in der Krise staatliche Hilfe erhalten. „Die Branche hat ihre Probleme selbst gelöst, viele Fonds verschwanden vom Markt, aber keiner dieser Fälle gefährdete die Stabilität des Weltfinanzsystems“, sagt Andrew Baker, Chef des Branchenverbandes Aima. Umso mehr ärgert es die Fonds, dass die EU sie an die kurze Leine legen will.

Vor allem drei Klauseln in dem Entwurf sorgten in der Hedge-Fonds-Gemeinde für Aufregung. Die EU-Kommission sollte das Recht bekommen, die Kreditaufnahme der Fonds zu begrenzen. Dadurch wären viele Investmentstrategien nicht mehr lukrativ gewesen. Außerdem sollten die Fonds verpflichtet werden, ihre Geschäfte über eine europäische Depotbank abzuwickeln – einige der größten Dienstleister sitzen aber an der Wall Street. Schließlich sollten nur Fonds, die den strengen EU-Regeln gehorchen, in der Gemeinschaft zugelassen werden. Damit hätte den amerikanischen Hedge-Fonds der Ausschluss gedroht.

Im Kampf gegen die EU-Regeln schlossen sich einige der größten Hedge- Fonds, darunter Branchenführer Man Group, zu einer Interessengemeinschaft zusammen. Sie nannten die Vorschläge „stümperhaft“ und „eine signifikante Bedrohung“. Auch britische Politiker machten sich für die umstrittene Branche stark. Schließlich sitzen 80 Prozent aller europäischen Hedge-Fonds in London. Finanzstaatssekretär Paul Myners brandmarkte die EU-Regeln als kurzsichtig und rückte sie in die Nähe des Protektionismus.

Der Aufstand hatte Erfolg – zumindest teilweise. Die EU ruderte zurück, so weit wie bei keinem anderen Reizthema der Finanzregulierung. Der neueste Kompromissvorschlag sieht vor, dass die Fonds selbst Obergrenzen für ihre Verschuldung festlegen können. Außerdem können die Fonds auch Depotbanken außerhalb der EU nutzen, wenn die Kommission zustimmt. Die Regeln für Fonds, die ihren Sitz außerhalb der EU haben, wurden deutlich vereinfacht.

Doch damit ist der Kampf noch nicht zu Ende. Denn plötzlich fand sich in den Vorschlägen eine Regelung zur Deckelung von Boni und Gehältern. Sie wurde auf Druck der französischen Regierung in letzter Sekunde aufgenommen. Danach sollen auf die Hedge-Fonds jetzt dieselben strengen Regelungen zukommen wie auf die Banken. Damit werde seine Branche ungerecht behandelt, jammert Verbandschef Baker: „Die EU versucht, ein Konzept, das für große börsennotierte und systemrelevante Unternehmen gilt, kleinen Hedge-Fonds, die oft eigentümergeführt sind, überzustülpen.“Michael Maisch (HB)

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