Finanzkrise : Banken im Sonderangebot

Die Finanzkrise und ihre Folgen: Die Aktienkurse vieler Bank-Institute fallen unter ihre Buchwerte. Auch deutsche Banken trifft diese Entwicklung hart.

Ulf Sommer

Düsseldorf Die weltweite Finanzkrise drückt die Bewertung der internationalen Großbanken an den Börsen auf den niedrigsten Stand seit mehr als fünf Jahren. Die Hälfte aller Banken in Europa sind inzwischen auf eine Börsenkapitalisierung gesunken, die unter ihrem in den Bilanzen ausgewiesenen Eigenkapital liegt. In Deutschland ist die Situation noch schlimmer, wie Berechnungen des „Handelsblatts“ zeigen: Mit Ausnahme der Postbank, deren Kurs seit Wochen von Übernahmephantasien profitiert, notieren alle großen Bank-Aktien in der Nähe ihres Buchwerts oder sogar darunter. Der Buchwert einer Bank entspricht in etwa dem Eigenkapital.

Ursache für die ungewöhnlichen Abschläge in der Börsenbewertung sind Ängste vor weiteren Milliarden-Abschreibungen im Zuge der amerikanischen Immobilienkrise. Bisher haben die Banken weltweit rund 300 Milliarden Dollar (190 Milliarden Euro) offengelegt. Wie der „Spiegel“ berichtet, hält die deutsche Finanzaufsicht Bafin aber Verluste in der Kreditwirtschaft von bis zu 600 Milliarden Dollar (rund 380 Milliarden Euro) für möglich. Wahrscheinlicher sei jedoch eine Belastung von 430 Milliarden Euro, heißt es in einem Bafin-Papier.

Der aktuelle Buchwert einer Bank basiert stets auf der Bilanz des gerade abgelaufenen Quartals. Er sinkt, sobald sich das Vermögen der Konzerne aufgrund von Abschreibungen verringert. Ein besonders niedriges Verhältnis zwischen Buchwert und Börsenbewertung spiegelt also die Erwartung der Märkte auf weitere massive Abschreibungen und Verluste wider. „Anleger hegen Zweifel an den Buchwerten und fürchten massive Abschreibungen“, sagt Michael Köhler von der Landesbank Baden-Württemberg.

Obwohl die größten Verluste bisher bei US-Banken aufgetreten sind, notieren europäische Bankaktien noch niedriger. In der Nähe ihres Buchwerts oder sogar darunter liegen in den USA nur Institute wie Citigroup oder Bear Stearns, die bereits massive Milliarden-Abschreibungen vornehmen mussten .

Hingegen bestrafen Anleger in Europa auch jene Banken mit heftigen Abschlägen, die bisher relativ glimpflich durch die Krise steuern. So notiert die Commerzbank derzeit bei einem Börsenkurs von 20 Euro nur mit gut drei Viertel ihres Buchwertes pro Aktie. Selbst der Marktführer Deutsche Bank erreichte zuletzt mit 72,40 Euro nicht seinen Buchwert von 78 Euro je Aktie. In normalen Börsenzeiten kommen die Aktien der Finanzkonzerne auf das Doppelte, häufig sogar das Drei- oder Vierfache ihres Buchwerts.

Die Investoren gehen offenbar davon aus, dass in Europa noch besonders viele Probleme in den Bilanzen versteckt werden. „Wenn Josef Ackermann sagt, die Ertragsziele der Deutschen Bank seien vielleicht nicht zu erreichen, dann sagt er damit zwar die Wahrheit, weil Prognosen derzeit wirklich nicht möglich sind. Doch er schürt damit das Misstrauen der Anleger“, sagt Gottfried Heller, Chef der Fiduka-Vermögensverwaltung. Auch in der Branche selbst bleibt man skeptisch: „Die nächsten Quartale werden zeigen, dass wir bei den Abschreibungen jetzt erst die Spitze des Eisbergs sehen“, sagt ein Analyst einer Frankfurter Großbank.

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