Finanzen : Grün wird gelb

Was die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank für Kunden und Anleger bedeutet

David C. Lerch

Der vergangene Sonntag hat die deutsche Bankenlandschaft nachhaltig verändert. Die Commerzbank übernimmt für knapp zehn Milliarden Euro die Dresdner Bank und wird künftig versuchen, aus zwei Instituten ein einziges zu schmieden. Das geht nicht ohne Einschnitte: Rund 10 000 Mitarbeiter müssen um ihren Job bangen. Doch nicht nur sie sind betroffen. Auch Kunden, Anleger und Aktionäre müssen mit Veränderungen rechnen.

Können die Banken Verträge kündigen?

Wer bislang einen Vertrag mit dem grünen Logo der Dresdner Bank in der Schublade hatte, wird künftig einen neuen Kontrakt mit dem gelben Schriftzug der Commerzbank erhalten. Ob sich dabei auch der Inhalt ändert, hängt nach Angaben von Peter Lischke, Finanzexperte von der Verbraucherzentrale Berlin, von der Art des Vertrages ab. So sind etwa Kredit- und Sparverträge unkündbar. Bis zum Ende der Laufzeit bleiben die vereinbarten und unterschriebenen Konditionen erhalten. Danach kann es anders aussehen. Die Anschlussfinanzierung muss mit der Commerzbank vereinbart werden – mit positivem oder negativem Ausgang für den Kunden. Die Verbraucherzentralen rechnen damit, dass zukünftig manch lukratives Angebot verschwindet. Auf der anderen Seite habe der neue deutsche Bankenriese größere Spielräume, den Markt mit attraktiven Konditionen aufzumischen.

Anders ist die Situation für den Kunden bei kündbaren Verträgen wie Girokonten oder Aktiendepots. „Hier kann die Bank etwa die Kontoführungsgebühren ändern, ohne den Kunden schriftlich zu benachrichtigen. Sie muss die neuen Preise lediglich in der Bank oder auf der Internetseite kenntlich machen“, sagt Lischke.

Können die Kunden Verträge kündigen?

Bankkunden müssen sich ihrerseits an die bestehenden Verträge, also auch an die Kündigungsfristen halten. Wer etwa vorzeitig aus einer Baufinanzierung aussteigt, muss der betroffenen Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen. „Nur in absoluten Ausnahmefällen und bei einem gewichtigen Grund könnte es ein Sonderkündigungsrecht geben“, sagt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. Ein solches Recht könnte zum Beispiel bestehen, wenn ein Kunde einst im Streit die Commerzbank verließ und sich der Dresdner anschloss. Auch Firmenkunden könnten ein Argument haben, wenn es für ihr Geschäft wichtig ist, zu zwei verschiedenen Banken Verbindungen zu unterhalten. Das Problem: Die Kunden müssen diese Gründe stichhaltig darlegen, was schwierig werden dürfte.

Was passiert mit dem Online-Auftritt der Dresdner Bank?

Commerzbank-Chef Martin Blessing hat bereits erklärt, dass die Kunden der Dresdner Bank ihre Kontonummern und Bankleitzahlen behalten können. Das gilt auch für die Kundendaten im Online-Banking. Wer bislang sein Konto im Internet geführt hat, kann das mit den gleichen Daten auch weiterhin tun, bestätigt Thomas Bonk, Sprecher der Dresdner Bank. Wann der bislang grüne Internetauftritt gelb wird, müsse man abwarten. Voraussichtlich dauert das noch eine Weile. „Herr Blessing hat angekündigt, dass die technischen Prozesse zwei bis drei Jahre dauern werden“, so Bonk.

Wer verwaltet künftig die Investmentfonds?

Die Commerzbank gibt ihre Fondsgesellschaft Cominvest an die Allianz ab, die sie ab 2009 mit der eigenen wesentlich größeren Fondssparte Allianz Global Investors (AGI) verschmelzen will. Dabei werden auf Sicht wohl viele Fonds, die ähnliche Themen abdecken, zusammengelegt. „Wir werden analysieren, wo es Dopplungen gibt“, sagt ein AGI-Sprecher. Was das für Anleger bedeutet, die ihr Geld bei der Cominvest deponiert haben, ist noch ungewiss. Verbraucherschützer fürchten, dass bei einer Zusammenlegung die Konditionen für die Kunden schlechter werden. Sollte das so kommen, drängt die Zeit. Denn wer erst 2009 zu anderen Anbietern wechselt, den trifft die Abgeltungsteuer, die ab Januar in Kraft tritt. „Da werden sich manche überlegen, ihr Portfolio jetzt schon komplett umzustrukturieren“, prophezeit Arno Gottschalk.

Wer der Bank treu bleibt, auch wenn sein Fonds mit anderen verschmolzen wird, bleibt von der Abgeltungsteuer verschont. Dafür sorgt die sogenannte Fußstapfentheorie. Nach Angaben des Fondsverbandes BVI tritt der neue Fonds an die Stelle des alten, ohne dass sich an der Rechtsposition etwas ändert. „Für den Anleger ist es unerheblich, ob Fonds noch in diesem Jahr fusioniert werden. Veräußert er seine neuen Anteile, ist der Gewinn steuerfrei, sofern er die alten Anteile vor 2009 gekauft hat“, erklärt BVI- Sprecher Frank Bock.

Wie entwickelt sich der Börsenkurs?

Der erste Börsentag nach dem Übernahmebeschluss war eindeutig: Um bis zu zwölf Prozent fiel der Kurs der Commerzbank-Aktie. Lothar Gries von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sieht die Aktie auch mittelfristig unter Druck: „Aktionäre der Commerzbank müssen jetzt einen langen Atem beweisen, denn niemand weiß genau, ob die Integration der Dresdner Bank gelingt.“ mit dpa

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