POSITIONEN : Bundesbösewicht!

Das Kesseltreiben auf Ackermann muss ein Ende haben

Martin Lindner

Ackermann! Bundesbösewicht! Im Mittelalter wäre er geteert und gefedert worden, mindestens.

Keine Frage, Josef Ackermann war nicht immer geschickt in Formulierung und Gestus. Auch ich habe mich geärgert über das jüngste Zitat des Chefs der Deutschen Bank: „Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden.“ Haben wir nicht gemeinsam gekämpft für dieses Rettungspaket? Haben nicht auch die Vertreter der Deutschen Bank dafür geworben, durch die nun beschlossenen Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzmarktes das verloren gegangene Vertrauen zwischen den Banken wiederherzustellen? Haben es Ackermann und die Deutsche Bank wirklich nötig, den Klassenprimus zu mimen?

All die berechtigten Fragen und Kritik in Richtung Josef Ackermann rechtfertigen jedoch nicht die groteske Treibjagd, die gerade auf diesen Mann in Deutschland stattfindet. Ich rede dabei nicht von aufgebrachten Leserbriefschreibern der Boulevardpresse. Und ich rede dabei insbesondere nicht von dem unseriösen Kandidaten, den die Linkspartei/PDS der 13. Bundesversammlung zumuten möchte und der Ackermann gar verhaften will. Ich rede von den Spitzenrepräsentanten bislang verantwortlicher beziehungsweise verantwortungsbewusster Parteien. Wenn Ackermann nebst Kollegen auf Boni verzichten, schreien Struck (SPD), Röttgen (CDU) und Künast (Grüne) unisono, das sei eine „Chuzpe“. Wenn Ackermann nicht verzichtet hätte, hätten ihm wahrscheinlich genau dieselben Leute eben dieses vorgehalten. So ist es auch mit der Inanspruchnahme staatlicher Hilfe. Hätte Ackermann als Erster hier geschrien bei der Verteilung staatlicher Rettungsmittel, wäre erst recht der Teufel los gewesen. Und ins allgemeine Ackermann-Prügeln reihen sich dann natürlich auch noch Vertreter der Gewerkschaften (wo waren die eigentlich in den diversen Aufsichtsratssitzungen?) und Wohlfahrtsverbände, Bischöfe und öffentlich-rechtliche Fernsehmoderatorinnen.

Warum nennt eigentlich keiner die Namen der Vorstände der diversen Landesbanken, die schon lange vor dem großen Rettungspaket Milliarden aus Mitteln der Steuerzahler erhalten haben? Diese Staatsbanker, die trotz der erlangten Hilfen der letzten anderthalb Jahre natürlich auch jetzt als Erste nach Mitteln aus dem Stabilisierungsfonds rufen? Vielleicht sitzen in den Aufsichtsräten dieser Landesbanken einfach zu viele Vertreter der sogenannten Volksparteien, als dass es ratsam wäre, dieses Versagen einmal näher zu durchleuchten.

Ich empfehle dringend allen Kollegen, die in der Öffentlichkeit stehen, das Kesseltreiben auf Ackermann einzustellen. Bei aller berechtigter Kritik an diesem Mann gebietet dies eine redliche Einschätzung der Leistungen der Deutschen Bank, die im Verhältnis zu den anderen deutschen Banken noch relativ gut dasteht. Alle Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Finanzwesen sollten vielmehr verantwortlich handeln, statt sich wechselseitig zu beschimpfen. Nach der ersten Stabilisierung der Finanzmärkte erwarten die Bürger zu Recht deutlich mehr Transparenz, klarere Regeln und eine stärkere Staatsaufsicht über das Finanzwesen. Und dass sich Bankgeschäfte fortan wieder mehr auf volkswirtschaftlich Relevantes und weniger auf Spekulatives konzentrieren.

Martin Lindner ist Chef der FDP-

Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.

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