Untreueverdacht : Razzia bei Hypo Real Estate

Verdacht auf Marktmanipulation: Die Staatsanwaltschaft München hat Büroräume des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) durchsucht. Bei der Großrazzia waren mehr als 60 Beamte im Einsatz.

MünchenDer kriselnde Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) ist ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Wegen des Verdachts auf Marktmanipulationen und falsche Darstellungen nach dem Aktiengesetz hat die Behörde die Bank durchsuchen lassen. Betroffen waren Büros des Immobilienfinanzierers sowie Privaträume von Vorstandsmitgliedern, die im Zeitraum zwischen November 2007 und September 2008 im Amt waren, sowie des früheren Aufsichtsratschefs, teilte die Staatsanwaltschaft München am Mittwoch mit. Geprüft werde auch der Vorwurf der Untreue. "Bereits jetzt wurde umfangreiches Material sichergestellt", erklärten die Ermittler.

Die Namen der betroffenen Personen nannte die Staatsanwaltschaft nicht. Die Hypo Real Estate war im Zuge der Finanzkrise in eine existenzielle Notlage geraten und ist auf massive Unterstützung aus dem Rettungspaket des Bundes für die Bankenbranche angewiesen. Im Zuge der Verhandlungen darüber hatte der frühere Vorstandschef Georg Funke nach Kritik aus der Bundesregierung seinen Posten räumen müssen, seither steht der ehemalige Deutsche-Bank-Manager Axel Wieandt an der Spitze des Unternehmens. Auch der ehemalige Aufsichtsratschef Kurt Viermetz zog sich zurück, gut einen Monat später trat dann fast das komplette Kontrollgremium der Bank ab.

Strafanzeige durch Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

An den Durchsuchungsaktionen waren 15 Staatsanwälte sowie 65 Beamte des Landeskriminalamtes und verschiedener Polizeibehörden beteiligt. Auch zwei Beamte der Finanzaufsicht Bafin zog die Staatsanwaltschaft hinzu. Die Razzia habe am Vortag begonnen, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler. Die Datensicherung werde noch Tage, wenn nicht Wochen in Anspruch nehmen.

Aktionärsschützer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatten vor allem Funke Fehler vorgeworfen und ihn für die drastischen Kursverluste der HRE-Aktie verantwortlich gemacht. Die DSW stellte deshalb Strafanzeige gegen Verantwortliche des Konzerns bei der Staatsanwaltschaft München wegen des Verdachts des Betrugs und der fehlerhaften Kapitalmarktinformation. Außerdem liege möglicherweise ein Verstoß gegen das Verbot der Marktmanipulation vor, hatten die Aktionärsschützer erklärt. Auch eine Reihe von Privatleuten erstattete Anzeige mit Verweis auf die Medienberichterstattung.

Zuletzt hatte sich der Immobilienfinanzierer weitere Hilfen aus dem Rettungspaket des Bundes verschafft. Der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) stockte einen Ende November gewährten Garantierahmen von 20 auf 30 Milliarden auf, nachdem die Bank einen höheren finanziellen Bedarf festgestellt hatte. Auch weitere Gespräche über umfassende Maßnahmen der Liquiditäts- und Kapitalunterstützung zwischen Soffin und HRE laufen. Am kommenden Montag (22. Dezember) muss der Immobilienfinanzierer wegen des Einbruchs seines Börsenwertes seinen Platz im Deutschen Aktienindex Dax räumen. (goe/dpa)

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