USA : Zehn Banken bei "Stresstest" durchgefallen

Die US-Geldinstitute brauchen zusätzlich insgesamt 75 Milliarden Dollar, fast die Hälfte davon allein die Bank of America. Die Finanzbranche ist dennoch erleichtert

Die Finanzspritzen müssen deutlich geringer ausfallen als befürchtet: Während Experten noch kurz vor der Verkündung der Ergebnisse des staatlichen Belastungstests mit einem Kapitalbedarf zwischen 100 und 200 Milliarden Dollar gerechnet hatten, brauchen die 10 der überprüften 19 US-Banken insgesamt 74,6 Milliarden Dollar.  Dieses Geld ist in den Augen der Prüfer von Finanzministerium und Notenbank Federal Reserve notwendig, damit die Geldhäuser ihr Risikopolster erhöhen können.

Die umfangreichste Finanzspritze mit 33,9 Milliarden Dollar benötigt der Untersuchung zufolge der Branchenriese Bank of America. Ihr folgen Wells Fargo mit 13,7 Milliarden Dollar und GMAC mit 11,5 Milliarden Dollar. Bei der Citigroup veranschlagten die Prüfer einen Kapitalbedarf von 5,5 Milliarden Dollar. Die Zahlen decken sich in etwa mit den Zahlen, die in den vergangenen Tagen schon durchgesickert waren.

Banken mit zu wenig Kapital haben nun sechs Monate Zeit, um sich am Markt oder vom Staat frisches Geld zu beschaffen. Entsprechende Pläne sollen die Finanzinstitute bereits bis zum 8. Juni vorlegen. Möglich ist aber auch der Verkauf von Unternehmensteilen oder die Stärkung der Kapitalbasis durch eine Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien, wie dies beispielsweise Citigroup nach Medienberichten bereits mit dem Finanzministerium vereinbart hat.

Einige der betroffenen Banken reagierten umgehend mit der Bekanntgabe von Plänen für eine Kapitalerhöhung. So kündigte die Bank of America an, die Finanzlücke mit der Ausgabe neuer Aktien schließen zu wollen. Diesen Weg will auch Wells Fargo gehen, um das Kapital um sechs Milliarden Dollar zu erhöhen. Auch die Citigroup sowie Morgan Stanley wollen sich die offenstehenden 5,5 Milliarden beziehungsweise 5 Milliarden Dollar am Aktienmarkt beschaffen.

Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse wird zugleich eine deutliche Grenze gezogen zwischen jenen Geldhäusern, die robust durch die Finanzkrise gekommen sind, und solchen, die nun als schwächer wahrgenommen werden könnten. So überstanden etwa JPMorgan, Goldman Sachs und American Express den Test ohne weitere staatliche Auflagen.

Eben diese Klarheit zu schaffen – das war das vorrangige Ziel der US-Regierung bei der Durchführung der Stresstests, an denen mehr als 150 Regierungsbeamte rund drei Monate lang beteiligt gewesen waren. Nur durch diese Prüfung könne man das Vertrauen in den Finanzmarkt wiederherstellen und einen Ausweg aus der tiefsten Rezession seit Jahrzehnten finden.

Bei der Vorstellung der Ergebnisse zeigte sich Finanzminister Timothy Geithner nach eigener Aussage "einigermaßen zuversichtlich" und nannte die Resultate "ermutigend". Er sei sicher, dass die jeweiligen Banken ihre Kapitallücken auf den Märken und ohne zusätzliches Staatsgeld schließen könnten. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse "sollten Banken in die Lage versetzt werden, wieder ins Bankgeschäft zurückzukehren". Auch werde es einfacher für Investoren, jeweilige Risiken abzuschätzen und zwischen den Banken zu differenzieren. "Der Stresstest wird dabei helfen, die Wolke der Unsicherheit, die über dem Bankensystem hängt, durch ein beispielloses Niveau von Transparenz und Klarheit zu ersetzen".

Diese Einschätzung teilt auch Notenbank-Chef Ben Bernanke. "Die heute veröffentlichten Ergebnisse sollten Investoren und der Öffentlichkeit ein beträchtliches Maß Ermutigung geben". Viele Banken hätten bereits Schritte unternommen, um ihre Kapitalpuffer zu stärken. Zugleich stehe aber auch das Finanzministerium bereit, zusätzliches Kapital zur Verfügung zu stellen, wo immer es gebraucht werde.

Bei dem Stress-Test wurden die Geldinstitute in Rechenmodellen verschiedenen wirtschaftlichen Szenarien ausgesetzt, die laut Kritikern allerdings nicht harsch genug ausfielen. "Die Ergebnisse sind weniger akut als mancher erwartet hat", sagte dazu Geithner. Grund sei zum Teil, dass die Sorgen über das Risiko einer schlimmeren Rezession geringer geworden seien, die Lage an den Märkten sich gebessert habe und die Banken in Erwartung der Testergebnisse in den vergangenen Monaten bereits ihr Kapital aufgestockt hätten.

Dennoch warnen Analysten davor, die Ergebnisse nicht überzuinterpretieren. Die Prüfer hätten bei der Untersuchung "ein hohes Maß an subjektiven Bewertungen über künftige Kreditverluste und Profitabilität" einfließen lassen. Dennoch sind sich die Börsenexperten angesichts der überwiegend positiven Nachrichten einig: "Die Angst vor einer Verstaatlichung oder einem Bankrott hat sich mehr oder weniger aufgelöst". Die Aufmerksamkeit für die Stresstests sei eben auch deshalb so groß gewesen, weil die Pleite einer Großbank Schockwellen durch die Gesamtwirtschaft gesandt hätte. (nal/dpa/Reuters)







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