Vor Börsenbeginn : Christine Lagarde: Krise in Europa nicht vorbei - Dax vorbörslich im Minus

Die Schulden- und Wirtschaftskrise in Europa ist nach Ansicht der IWF-Chefin Christine Lagarde nicht vorbei, wie sie dem "Handelsblatt" sagte. Für Deutschland sagen Experten deutliches Lohnplus voraus. Der Dax zeigt sich am Montagmorgen vorbörslich schwächer.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Die Krise in Europa ist nach Ansicht von Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), trotz der wirtschaftlichen Erholung noch nicht ausgestanden. “Einige Länder haben die Hilfsprogramme erfolgreich beendet“, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde dem “Handelsblatt“ (Montagausgabe). “Aber das heißt nicht, dass die Krise vorbei und unsere Mission erfüllt ist.“ Vor allem in den Südländern des Euroraums hätten es Unternehmen deutlich schwerer, Kredite zu bekommen.

Christine Lagarde: Risiken durch dauerhaft niedrige Inflation

“Außerdem bringen die dauerhaft niedrigen Inflationsraten zusätzlich Risiken mit sich“, fügte Christine Lagarde hinzu. Die Europäische Zentralbank (EZB) rief sie dazu auf, “weiterhin Wachstumsimpulse“ zu geben. In der Pflicht seien aber insbesondere die Regierungen. “Vor allem muss die Wettbewerbsfähigkeit der Länder verbessert werden. Hier geht es zum Beispiel um Strukturreformen auf den Arbeitsmärkten“, sagte die IWF-Chefin. Dem Blatt zufolge warnte sie Deutschland davor, sich auf seiner wirtschaftlichen Führungsrolle auszuruhen. “Der eingeschlagene Weg in der Rentenreform sollte weiterverfolgt und nicht abgebrochen werden. Insbesondere dort, wo die Lebenserwartung weiter steigt“, sagte Christine Lagarde. “Das sind Hausaufgaben für alle europäischen Länder, inklusive der Klassenbesten.“

Aktienmärkte zurückhaltend

Der Dax liegt am Montagmorgen vorbörslich etwas tiefer. Die Unklarheit über die weitere Entwicklung der Ukraine-Krise dürfte am deutschen Aktienmarkt laut Börsianern zu Wochenbeginn für Zurückhaltung sorgen, berichtet Reuters. Anleger befürchteten, dass das Land auf einen Bürgerkrieg zusteuert. Bei dem international nicht anerkannten Referendum in der Ostukraine hat sich nach Angaben der Separatisten eine überwältigende Mehrheit für die Unabhängigkeit ausgesprochen.
Auch in Japan dämpfte der Ukraine-Konflikt am Montag die Kauflaune: Der Nikkei-Index verlor 0,1 Prozent. Der Dax hatte am Freitag 0,3 Prozent schwächer bei 9581,45 Punkten geschlossen. Die Wall Street hatte dagegen leichte Gewinne verzeichnet: Der Dow-Jones-Index schloss 0,2 Prozent fester auf einem Rekordhoch von 16583 Punkten. Der S&P-500 gewann 0,2 Prozent, der Nasdaq-Composite 0,5 Prozent.

Experten sagen für 2014 deutliches Reallohnplus voraus

Wegen der anhaltend niedrigen Inflation können die Arbeitnehmer in Deutschland nach Einschätzung von Experten auf ein deutliches Reallohnplus hoffen. „Wir rechnen mit einem realen Lohnzuwachs von einem bis 1,5 Prozent in diesem Jahr“, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, der „Bild“-Zeitung (Montag). „Deutschland hat damit endlich wieder Aussichten auf einen Aufschwung, von dem breite Bevölkerungsschichten profitieren.“ Christoph Schröder vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sagte dem Blatt: „Nach den bisherigen Lohnabschlüssen können sich die Beschäftigten dieses Jahr nach Abzug der Inflation über ein klares Lohnplus freuen.“ Die Reallöhne stiegen in den letzten zwei Jahrzehnten nicht oft um 1,0 Prozent und mehr: 1992 lag das Plus bei 4,9 Prozent, 1995 bei 1,2 Prozent, 2010 bei 1,5 Prozent und 2011 bei 1,2 Prozent.

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