Vor Börsenbeginn : Drohende Sanktionen gegen Russland verunsichern Aktienmärkte - Dax vorbörslich uneinheitlich

Die Ungewissheit über die weitere Entwicklung des Ukraine-Konflikts dürfte laut Börsianern am deutschen Aktienmarkt zu Wochenbeginn für Zurückhaltung sorgen. Der Dax zeigt sich am Montagmorgen vorbörslich uneinheitlich.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Die drohende Verschärfung der Sanktionen gegen Russland im Konflikt um die Ukraine, über die die EU an diesem Montag berät und die auch die USA planen, verunsichern die Aktienmärkte. Schon am Freitag hatte sich der Dax aus Furcht der Anleger vor einem Wirtschaftskrieg zwischen dem Westen und Russland mit einem Minus von 1,5 Prozent aus dem Handel verabschiedet. Die sieben führenden Industrieländer, darunter auch Deutschland, einigten sich am Wochenende grundsätzlich auf eine Verschärfung der Sanktionen.
Die Wall Street verzeichnete am Freitag ebenfalls deutliche Verluste. Der Dow-Jones-Index gab 0,9 Prozent nach, der S&P-500 0,8 Prozent und der Nasdaq-Composite 1,8 Prozent.
Auch in Asien machten Investoren am Montag darauf einen Bogen um Aktien. Der Nikkei-Index verlor 1,2 Prozent, der Shanghai-Composite 1,4 Prozent.

Angst vor einem Wirtschaftskrieg mit Russland verunsichert die Aktienmärkte

Die Sorgen sind groß, dass verschärfte Sanktionen gegen Russland auf beiden Seiten wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen.Die wirtschaftlich enger mit Russland verflochtenen Europäer sind sind zurückhaltender - teils gebremst durch nationale Interessen. Die russische Regierung gibt sich zuversichtlich, die Folgen in Grenzen halten zu können. Notfalls werde die Welthandelsorganisation eingeschaltet, berichtet dpa.. Trotzdem hat der Konflikt erhebliche Folgen für Russland und seine Wirtschaft. Investoren ziehen massiv Kapital ab - fast 70 Milliarden Dollar allein im ersten Quartal sollen es gewesen sein. Und frische Milliarden wollen Geldgeber für Moskau kaum noch locker machen.

Russlands Bonität nur noch knapp über Ramsch-Niveau

Russlands Kreditwürdigkeit sinkt, Ratingagenturen haben die Bonität des Landes auf knapp über „Ramschniveau“ gesenkt. Nicht nur einmal musste eine Anleihen-Emission mangels Investoren-Interesse und wegen zu teurer Konditionen abgesagt werden. Geschäftsleute und russische Konsumenten sind verunsichert. Selbst bei einer Entspannung drohen dem Schwellenland Russland ein weiterer Kapitalabfluss, ein deutlicher Konjunktureinbruch sowie stark steigende Preise.

Weltbank prognostiziert schwere Schocks für Russland

Die Weltbank geht in einem „Hochrisiko-Szenario“ ihrer neuesten Prognose von „schweren Schocks“ für die russische Wirtschaft aus - mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,8 Prozent, berichtet dpa. Wegen der schwachen Landeswährung Rubel müssen sich die Verbraucher, die die Wirtschaft bisher am Laufen halten, ohnehin auf teurere Produkte einstellen. Beruhigt sich die Lage, ist aus Sicht der Weltbank in diesem Jahr zumindest ein Konjunkturplus von 1,1 Prozent möglich. Danach sieht es aber bisher nicht aus.


Was auch Unternehmen im Westen beunruhigt. Die wichtigen Börsen in den Industrieländern schlossen zuletzt im Minus, Rohstoffe verteuerten sich. Und natürlich ist Gold als vermeintlich sicherer Anlagehafen in unsicheren Zeiten gefragt. Die Einbußen für westliche Unternehmen scheinen noch überschaubar. Hersteller von Luxusgütern melden eine sinkende Nachfrage aus Russland. Westliche Investoren und Banken fürchten inzwischen um ihre Geschäfte in baltischen Staaten.

Moskau könnte Lebensmittelimporte blockieren

Moskau könnte Lebensmittelimporte aus der EU blockieren und dies - wie in der Vergangenheit - mit Gesundheitsbedenken begründen. Die deutsche Rüstungsindustrie bekommt die Spannungen zu spüren - in kleineren Dosen. Die Bundesregierung genehmigt derzeit keine Exporte nach Russland. Bis Ende März befanden sich 69 Ausfuhr-Anträge mit einem Gesamtwert von 5,18 Millionen Euro im Genehmigungsverfahren.
Die Sorge deutscher Exportfirmen bleibt groß, dass der Strafkatalog der EU ausgeweitet wird auf harte Wirtschaftssanktionen. Stufe III der EU würde Russland angesichts der engen ökonomischen Beziehungen mit Europa stärker treffen als mögliche Strafen der USA. Europa ist aber auch abhängiger von den Energielieferungen Moskaus. Ein Drittel des Gasbedarfs wird aus Russland gedeckt.

Ölpreis steigt wegen drohender Verschärfung der Sanktionen gegen Russland

Die Ölpreise sind zu Wochenbeginn gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete am Montagmorgen 109,84 US-Dollar. Das waren 26 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stieg um 47 Cent auf 101,07 Dollar.

Dax vorbörslich abwartend

Der Dax zeigt sich am Montagmorgen vorbörslich abwartend. Anleger müssen nach den Abschlägen Ende letzter Woche mit weiteren Abgaben rechnen. Andererseits sind positive Zahlen mehrerer Unternehmen am Montag zu erwarten, zudem gibt es Informationen über mehrere große Firmenübernahmen.

Bayer mit Quartalszahlen

Der Chemie- und Pharmariese Bayer legt am Montag seine Geschäftszahlen für das erste Quartal 2014 vor. Vorstandschef Marijn Dekkers hatte sich bereits Ende Februar bei der Präsentation der Bilanz 2013 optimistisch zum Verlauf der Geschäftsentwicklung in diesem Jahr gezeigt. Als erfolgversprechend gelten vor allem die neuen Pharmaprodukte, für die Bayer in den kommenden Jahren bis zu 7,5 Milliarden Umsatz in der Spitze erwartet. In der Sparte hatte sich das Unternehmen unlängst mit einem Milliarden schweren Zukauf des norwegischen Krebsmittel-Spezialisten Algeta verstärkt.
Mehr Gewinn soll in diesem Jahr auch die schwächelnde Kunststoffsparte abwerfen. 2013 hatte Bayer mit gut 113 000 Beschäftigten erstmals mehr als 40 Milliarden Euro erlöst und mit rund 3,2 Milliarden Euro einen der höchsten Gewinne der Firmengeschichte erzielt. (mit dpa und Reuters)


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