Vor Börsenbeginn : Ölfördertochter von RWE geht an russischen Oligarchen

Die Öl- und Gasfördertochter von RWE kommt in russische Hände - ausgerechnet jetzt. Kritik ficht den Konzern nicht an. Der Dax steigt nach guten Vorgaben am Montagmorgen weiter an.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

RWE hat mitten in der Krise um die Krim die RWE-Öl- und -Gasfördertochter RWE Dea an eine Firmengruppe um den russischen Oligarchen Michail Fridman verkauft. Die Übernahme befeuert auch die Debatte um umstrittene Schiefergas-Bohrungen in Deutschland neu. RWE und der Käufer LetterOne besiegelten den Kaufvertrag für den Hamburger RWE-Ableger, dessen Wert auf rund 5,1 Milliarden Euro taxiert wurde.
Die russischen Investoren wollten zudem darin enthaltene Verbindlichkeiten von 600 Millionen Euro übernehmen, hieß es.

Debatte um Abhängigkeit Deutschlands von Öl und Gas

Der RWE-Aufsichtsrat und Behörden in mehreren Ländern müssen noch zustimmen. Das Geschäft, das bis zum Jahresende abgeschlossen sein soll, heizt die Diskussion um die Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energierohstoffen wie Gas und Öl aber schon jetzt an.
Bei der in den USA erfolgreichen, aber mit hohen Umweltrisiken behafteten Fracking-Methode sieht Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) kurzfristig kein Potenzial in Deutschland. „Wir wissen alle: Lösungen, sich ein bisschen unabhängiger zu machen, dauern lange Zeit“, sagte am Sonntag im „Bericht aus Berlin“ der ARD.

Fracking in Deutschland: Sigmar Gabriel skeptisch


Angesichts der Krim-Krise und drohender Sanktionen gegen Russland dürften die Menschen bei der Versorgungssicherheit nicht verunsichert werden. Vorschläge, Schiefergas aus den Vereinigten Staaten nach Europa zu exportieren, hält der SPD-Chef wegen des hohen Eigenbedarfs Amerikas und des komplizierten Transports für wenig aussichtsreich.
Im Prinzip dürfe man die umstrittene Fracking-Technologie hierzulande nicht vorschnell ablehnen. „Ich höre aber, dass die Unternehmen daran arbeiten, ein wesentlich besseres Verfahren zu entwickeln, das muss man dann beurteilen“, meinte Gabriel.


CSU-Vize Peter Ramsauer hatte sich in der „Welt am Sonntag“ für die Förderung von Schiefergas in der Bundesrepublik ausgesprochen.
„Wenn man Russland mit Wirtschaftssanktionen droht, kann man nicht ausschließen, dass Moskau sich beim Erdgas revanchiert. Wir müssen endlich aufwachen und unsere Abhängigkeit von ausländischen Energielieferanten verringern“, sagte er dem Blatt. „Wenn wir uns verschließen, arbeiten wir den Russen und den USA in die Hände.“ Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mahnte, die möglichen Beiträge der Schiefergas-Förderung nicht zu ignorieren. „Wir sollten die aktuellen Spannungen zum Anlass nehmen, um darüber zu reden, wie wir die heimische Rohstoffgewinnung stärken können“, sagte der Leiter der Rohstoffabteilung, Matthias Wachter, dem „Handelsblatt“ (Montag).

"Spiegel": Bundesregierung sieht keine Probleme bei dem deutsch-russischen Geschäft von RWE


Nach „Spiegel“-Informationen einigten sich das Kanzleramt und das Wirtschaftsministerium darauf, gegen geplante deutsch-russische Projekte kein Veto einzulegen. Die Übernahme von Dea schätze die Regierung nach interner Prüfung als unproblematisch ein. Auch die Zusammenarbeit zwischen dem russischen Staatskonzern Gazprom und der BASF-Tochter Wintershall solle fortgesetzt werden.
RWE-Chef Peter Terium sprach mit Blick auf den Verkauf an LetterOne von einer sehr guten Lösung. Fridman erklärte als Vorsitzender von LetterOne: „Als verantwortungsvoller Investor wollen wir internationales Wachstum fördern und so die Leistungsfähigkeit von Dea stärken.“ Vorstand und Betriebsrat von RWE Dea begrüßten die Entwicklung nach Angaben von Vorstandschef Thomas Rappuhn ebenfalls.
Die Krim-Krise schlägt nach Experten-Einschätzung inzwischen auf das Geschäft deutscher Unternehmen in Russland durch.

Dax vorbörslich im Plus

Der Dax dürfte seinen jüngsten Aufwärtstrend nach Einschätzung von Börsianern am Montag fortsetzen. Spekulationen auf zusätzliche Geldspritzen einiger Notenbanken hatten dem deutschen Leitindex in der vergangenen Woche ein Kursplus von 2,6 Prozent beschert.
Die Wall Street verbuchte am Freitag ebenfalls leichte Gewinne. Die Aussicht auf Staatshilfen zur Ankurbelung der Konjunktur in China trieben den Dow-Jones-Index um 0,4 Prozent in die Höhe, der S&P-500 gewann 0,5 Prozent und der Nasdaq-Composite 0,1 Prozent.
In Tokio zeigten sich die Investoren nach den guten Vorgaben aus den USA und Europa am Montag ebenso in Kauflaune. Der Nikkei-Index legte um 0,6 Prozent zu. Der Shanghai-Composite notierte dagegen nahezu unverändert. (mit dpa und Reuters)

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