Vor Börsenbeginn : Schafft der Dax heute die Marke von 10.000 Punkten?

Die große Frage an der Frankfurter Börse lautet: Schafft der Dax heute 10.000 Punkte? Vorbörslich liegt er am Dienstagmorgen wenige Punkte unter seinem gestrigen Höchststand. Viel fehlt nicht mehr.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Schafft der Dax am heutigen Dienstag den Sprung über die Marke von 10.000 Punkten? Es fehlen ihm nach dem gestrigen historischen Höchststand nur noch 107 Punkte, also etwas über ein Prozent. Vorbörslich notierte der Dax am Dienstagmorgen um 8 Uhr etwa zehn Punkte niedriger als zum Vortagesschluss. Zum Wochenauftakt war der deutsche Leitindex um 1,3 Prozent auf ein Rekordhoch von 9893,81 Punkten geklettert und hatte mit 9892,82 Zählern knapp darunter geschlossen. Die Investoren hatten den Ausgang der Wahlen in Europa und der Ukraine mit Erleichterung aufgenommen.

In Asien notierten die Börsen am Dienstag uneinheitlich: Während der Nikkei-Index 0,6 Prozent zulegte, lag der Shanghai-Composite 0,2 Prozent im Minus.
Keine Vorgaben gab es aus den USA, weil die Börsen am Montag feiertagsbedingt geschlossen hatten.

EZB-Konferenz diskutiert heute über Inflation

Am letzten Tag der EZB-Konferenz in Portugal steht am Dienstag (10.00 Uhr MESZ) zunächst noch einmal das Thema Inflation im Mittelpunkt. Der als Verfechter höherer Inflationsziele bekannte Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman wird seine Sicht der Dinge vorstellen. Seit Sonntag diskutieren in der Kleinstadt Sintra in der Nähe von Lissabon auf Einladung der Europäischen Zentralbank (EZB) 150 Experten über die Rolle der Geldpolitik. EZB-Präsident Mario Draghi hatte am Montag die Bereitschaft der Notenbank bekräftigt, bei Bedarf etwas gegen die sehr niedrigen Teuerungsraten im Euroraum zu unternehmen. Erwartet werden Schritte der EZB Anfang Juni „Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Montag bei der Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB). Zwar erwarte die Notenbank weiterhin, dass die Teuerungsraten sich mittelfristig wieder dem Stabilitätsziel der EZB von knapp unter 2,0 Prozent annähern werden, sagte Draghi: „Es ist dennoch unsere Verantwortung, die Risiken für dieses Szenario zu sehen und bereit zu sein zum Eingreifen, falls notwendig.“

Zum Auftakt der Konferenz am Sonntagabend hatte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, Zentralbanken aufgefordert, im Bemühen um stabilere Finanzmärkte ihren gesamten Werkzeugkasten auszuschöpfen. Es gelte weiterhin, nach einem besseren Regelwerk für den Finanzsektor zu streben. „Aber wo Regulierungsansätze zu kurz greifen, kommt der Geldpolitik eine gewichtigere Rolle zu als in der Vergangenheit, um Finanzstabilität zu gewährleisten“, sagte Lagarde.
Die Inflation im Euroraum ist seit Monaten sehr niedrig. Im April lag die Jahresrate bei 0,7 Prozent. Es gebe durchaus das Risiko, dass sich die Erwartung sinkender Teuerungsraten durchsetze, erklärte Draghi. Verbraucher sowie Unternehmen könnten dann Investitionen aufschieben und die konjunkturelle Erholung bremsen.

Beobachter rechnen im Juni mit einer nochmaligen Senkung des Leitzinses

„In diesem Umfeld muss eine Antwort der Geldpolitik sorgfältig abgewogen und präzise ausgestaltet sein“, sagte Draghi. Er warnte: „Eine langanhaltende Periode niedriger Inflationsraten könnte die Inflationserwartungen aus dem Gleichgewicht bringen.“ Die Erfahrung zeige, dass das sehr schnell passieren könne, „vor allem wenn das Ziel der Geldpolitik nicht klar ist“. Damit die Geldpolitik wirke, sei der richtige Zeitpunkt zum Handeln entscheidend. Weil Schritte der Notenbank oftmals erst mit Zeitverzögerung wirkten, könnten „vorbeugende Maßnahmen“ gerechtfertigt sein, sagte Draghi.
Bei der letzten Sitzung des EZB-Rates am 8. Mai in Brüssel hatte Draghi die Erwartung geschürt, dass die Notenbank bei ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung am 5. Juni die Geldpolitik im Euroraum nochmals lockern wird. In den vergangenen Wochen hatten führende Notenbanker weitere Hinweise in dieser Richtung gegeben.
Beobachter rechnen mit einer nochmaligen Senkung des Leitzinses - wahrscheinlich von 0,25 auf 0,15 Prozent. Zudem könnte die EZB Strafzinsen auf Gelder erheben, die Banken bei der Notenbank parken. (mit dpa und Reuters)

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