Finanzieller Engpass : Vitalia-Reformhäuser kämpfen ums Überleben

Nach dem Abschied von Firmengründer Büttner als Mehrheitseigner gerät die Reformhauskette Vitalia immer stärker in Schwierigkeiten. Ein Investor wirft dem Manager vor, sich kräftig aus der Firmenkasse bedient zu haben.

Moritz Döbler

BerlinIm Internet ist die Welt noch in Ordnung. „Seine gute Laune ist wohl eine der sofort erkennbaren Charaktereigenschaften unseres Firmengründers Bernd Büttner“, heißt es auf der Website der Reformhauskette Vitalia. Doch von guter Laune ist bei dem 65-Jährigen keine Spur mehr. Nicht nur hat er 51 Prozent seines Unternehmens abgegeben, sondern der neue Mehrheitsgesellschafter Paul Vorsteher fordert rund sieben Millionen Euro von ihm: für „die unrechtmäßige Entnahme erheblicher finanzieller Mittel aus dem Firmenvermögen“, wie Vitalia offiziell erklärt.

„Das ist alles nicht wahr“, zitiert der „Münchner Merkur“ Büttner. „Warum sollte ich denn Geld aus einem Unternehmen herausziehen, für das ich noch immer mit meinem gesamten Privatvermögen hafte?“ Er habe sich nichts vorzuwerfen. Doch auf Anraten seines Anwalts will sich Büttner nicht weiter äußern.

Das Unternehmen kommt in dieser Auseinandersetzung offenbar bereits in Schwierigkeiten. Mit Lieferanten und Herstellern werde verhandelt, um die Beziehungen aufrechtzuerhalten, sagt PR- Mann Michael Kausch, der für Vitalia, aber wohl vor allem für den neuen Mehrheitsgesellschafter Paul Vorsteher spricht. „Die Gespräche werden geführt, um eine Insolvenz zu vermeiden. Der Cashflow ist seit August neutral.“ Nötig sei eine klare Trennung von Gründer Büttner – Vorsteher sei auch bereit, die restlichen 49 Prozent noch zu übernehmen.

Doch so leicht gibt Büttner nicht auf. Vor 41 Jahren eröffnete er sein erstes Vitalia-Reformhaus in München, heute sind es 120 Filialen mit einem Jahresumsatz von 80 Millionen Euro. „Bis zum letzten Blutstropfen werde ich um mein Lebenswerk kämpfen“, kündigt er an.

Die Vorgeschichte ist delikat: Anfang Juni hatte der Berliner Investor Harald Christ über eine Finanzgesellschaft gemeinsam mit Vorsteher die 51 Prozent übernehmen wollen. Inzwischen ist Christ im Team des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier für den Mittelstand verantwortlich. Nach Angaben eines Sprechers von Christ wurden ihm die Vitalia-Anteile aber nie übertragen, daher habe er sich vor zwei Monaten ganz zurückgezogen und die geplante Soforthilfe von fünf Millionen Euro nicht geleistet. 

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