Wirtschaft : Finanzierung: Billiges Geld für den Autokauf

Veronika Csizi

Billigeres Geld als beim Autokauf gibt es nicht. Wer sich gerne von Renault ein neuen Clio, Kangoo, Mégane Grandtour oder Scénic vors Haus stellen will, aber das nötige Kleingeld nicht parat hat, zahlt für den Kauf auf Pump gerade mal 0,99 Prozent Zinsen, und zwar effektiv. Bei einer Kreditsumme von 20 000 Mark sind das 305,32 Mark an Zinsen für den gesamten Zeitraum von drei Jahren.

Der Kampf um den Kunden ist hart. Hersteller und Autobanken unterbieten sich regelmäßig mit Lockangeboten: Skoda und VW locken mit 1,9 Prozent, Opel mit 2,9, Fiat mit 0,65 Prozent, Subaru gar mit 0,33 Prozent. Den Vogel schießt gerade Hyundai ab: Das neue Modell Elantra finanziert die befreundete SG-Bank mit Alibi-Zinsen von 0,19 Prozent. Damit wolle Hyundai die Kunden erst einmal in die Autohäuser holen, räumt Bank-Sprecherin Susanne Grässle ein. Denn wer sich dort dann eben nicht in den Elantra, sondern in ein anderes Modell verliebt, zahlt den Normalzins von 7,2 Prozent effektiv pro Jahr. Allerdings: Nicht alle Hyundai-Händler bieten den Sonderzins auch an. Denn er ist an die Abnahme einer bestimmten Anzahl von Fahrzeugen geknüpft. Grafik: Günstige Angebote der Autobanken Auch bei anderen Herstellern beschränken sich Niedrigstzins-Angebote oft nur auf bestimmte Modelle oder Finanzierungszeiträume. 1,9 Prozent bietet Volkswagen innerhalb der Marke VW nur beim New Beetle, dessen schleppender Verkauf damit angekurbelt werden soll. Alle anderen Modelle kosten mindestens 4,9 Prozent, bei längeren Laufzeiten sogar noch deutlich mehr. Opel beschränkt das 2,9-Prozent-Angebot auf "alle lieferbaren Corsa-Neuwagen bis 31. Dezember 2001". Vorläufig bis Jahresende sind alle Fiat-Neuwagen ab 0,65 Prozent Jahreszins zu haben, allerdings nur bei Rückzahlung innerhalb von zwölf Monaten. Wer die Raten verringern und die Laufzeit strecken will, zahlt mehr.

Bei neuen Modellen sind solche Kampfzinsen indes selten: Der Golf-Konkurrent Fiat Stilo etwa, der am 13. Oktober auf den Markt kommt und den Bravo ablöst, werde vorerst nur ab 3,9 Prozent finanzierbar sein, meint Claudia Toneatto, Produktmanagerin bei der Fiat-Bank. Ford bietet aktuell gar keine Sonderzinsen, der Normalzins beginnt bei 5,9 Prozent. BMW finanziert die meisten Neuwagen ab 7,99 Prozent.

Wer sich von den Angeboten blenden lässt, warnen andererseits normale Geschäfts- und Internetbanken, zahlt womöglich einen hohen Preis. Da sich Hersteller und Händler die Kosten für die Subventionierung der Lockkredite teilen, erhält der Kunde in vielen Fällen höchstens einen deutlich abgespeckten Rabatt.

Barzahler bekommen Rabatt

Tritt der Käufer hingegen als Barzahler auf, so wird argumentiert, könne er zehn, 15, je nach Verhandlungsgeschick und Modell sogar bis zu 20 Prozent Nachlass herausschlagen. Grundsätzlich gilt aber: Je edler die Marke und je beliebter ein Modell, desto geringer der mögliche Rabatt. So gewähren Mercedes bis zu acht, Opel oder Kia hingegen bis zu 20 Prozent. Besonders geschickte Preiszocker sollen sogar schon bis zu 30 Prozent herausgeholt haben.

Schon bei durchschnittlichen Rabatten, so wird vorgerechnet, lohne sich da der Weg zur normalen Bank. Zwischen 5,84 (für zwölf Monate) und 6,70 Prozent (36 Monate) verlangen die günstigsten Anbieter für einen Neuwagen-Ratenkredit. Gebrauchtwagen sind deutlich teurer, auch bei den Autobanken. Da genügten schon wenige Rabattprozente, um die supergünstige Finanzierung der Autobank ohne Rabatt zu schlagen, heißt es auf der Internet-Seite www.autokredit-vergleich.de, die aggressiv gegen Autobanken argumentiert - allerdings eine Tochtergesellschaft von Dr. Klein & Co ist, einem der größten Online-Finanzmakler Deutschlands.

Ein Beispiel: Eine Kunde will 20 000 Mark über 36 Monate finanzieren, zahlt dabei die von den meisten Anbietern geforderten 20 Prozent der Kaufsumme an. Die Autobank bietet einen Zinssatz von 2,9 Prozent und verweigert einen Rabatt. Klein & Co verlangen 7,3 Prozent. Bei diesem Rechenbeispiel wäre es bei jedem Rabatt, der über 6,5 Prozent hinausgeht, lohnender, auf das "Schnäppchen" der Autobank zu verzichten.

Bei der VW-Bank indes verweist man den erzwungenen Rabattverzicht ins Reich der Legende. Endgültige Zinssätze und Rabatte vergebe allein der Händler, sagt Banksprecher Dietmar Kupisch. Wer hart und geschickt verhandle, könne auch als Kreditkunde den Preis deutlich drücken. Denkbar sei auch, seinen Altwagen in Zahlung zu geben und über einen höheren Preis hier einen versteckten Rabatt zu erhalten. Bei der VW-Bank werde jedes dritte Auto aus dem Konzern finanziert oder geleast. Aktuell habe Europas größte Autobank insgesamt rund eine Million Finanzierungen im Bestand, bei einem Kreditvolumen von rund 20 Milliarden Mark.

Insgesamt, so schätzen Marktkenner, werden nur 20 Prozent aller neuen Autos bar bezahlt, 80 Prozent dagegen fremdfinanziert, sei es über Leasing oder einen Bankkredit. Angesichts der Dumpingzinsen wollten viele Käufer gar nicht bar bezahlen, heißt es bei VW. Denn: Wer sein Geld anderweitig gut angelegt hat, sollte mit spitzem Stift durchrechnen: Lohnt es sich, gute Renditen zu verlieren, wenn man für einen Kredit geringere Sätze zahlt? Manche Kunden, so heißt es, nutzen die guten Konditionen der Autobank bei der Geldanlage und nehmen gleichzeitig einen Autokredit zu Sonderkonditionen auf.

Verbraucherschützer verweisen auf einen weiteren Vorteil der Finanzdienstleister aus den Autokonzernen: Will ein Kunde sein Fahrzeug vor Ablauf des Kreditvertrags verkaufen, berechnen die Autobanken dafür oft keine Kosten, zeigen sich kulant: Sie wollen schließlich ein neues Auto verkaufen. Manchmal ist nur eine Kündigungsfrist einzuhalten. Viele Hausbanken hingegen verweisen auf bestehende Verträge und verlangen Vorfälligkeits-Entschädigungen für entgangene Zinszahlungen.

Niedrige Belastung durch Leasen

Wer seine monatliche Belastung maximal senken will, kann ein Auto auch leasen. Der Kunde bezahlt dabei nicht den Neupreis, sondern nur die Kosten für die tatsächliche Nutzung des Fahrzeugs. Das Fahrzeug ist also - samt Kilometerbegrenzung - eigentlich nur gemietet. Besonders lohnend ist Leasen für Selbstständige: Sie können die Raten als Betriebskosten von der Steuer absetzen. Zudem taucht ein geleastes Fahrzeug nicht in der Bilanz auf. Wegen der sehr niedrigen Monatsraten nutzen aber auch immer mehr Privatleute diese Finanzierungsvariante. Vergleiche sind indes schwierig, da die Verträge sehr individuell gestaltet werden können und die Kosten somit von Anzahlung, Laufzeit, Kilometerbegrenzung, Restwert und Leasinggebühren abhängen. Auch müssen die Autohändler laut Preisangaben-Verordnung beim Leasing keine effektiven Zinssätze veröffentlichen.

Besonders oft geleast werden Mercedes- Fahrzeuge. Vor allem die größeren Straßenkreuzer der S-Klasse gingen hauptsächlich an Geschäftskunden, sagt Jörg Schlake von Daimler-Chrysler Services. Im Bereich Kreditfinanzierung arbeitet die Daimler-Chrysler-Bank mit "stark differenzierten Zinsen". Wer einen Mercedes kauft und dabei über 75 000 Mark finanziert, zahlt 7,23 Prozent Jahreszins, kleinere Summen kosten 8,57 bis 9,65 Prozent. Sonderkonditionen bietet die konzerneigene Autobank unter anderem beim verkaufsschwächeren Smart (ab 1,9 Prozent) oder in der A-Klasse.

Aber Vorsicht: Die günstigen Sätze gelten hier nur für die so genannte Plus 3-Finanzierung - eine Variante, die alle Autobanken inzwischen anbieten. Dabei handelt es sich um eine Mischform zwischen Leasing und Normalkredit, die die niedrigen Raten des Leasing mit dem Eigentumsgedanken des Kredits verbindet (siehe nebenstehenden Text). Nach 24 oder 36 Monaten hat der Kunde die Wahl: Zurückgeben, die hohe Restrate komplett bezahlen oder neu finanzieren. Oder gleich einen neuen Vertrag abschließen. Mit dieser dritten Variante sollen auch Privatkunden häufiger zum neueren Modell wechseln können.

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