Finanzkrise : Ex-Goldman-Sachs-Star "Fabulous Fab" verurteilt

Fabrice Tourre war der Star der Wall Street. Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise hat ein US-Gericht ihn für schuldig erklärt, weil er Anleger wissentlich getäuscht haben soll.

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Tourre in grauem Anzug und lilafarbener Krawatte vor dem Gericht in Manhattan.
Tourre vor dem Gericht in Manhattan.Foto: Reuters

Für Fabrice Tourre muss sich das Leben 2007 angefühlt haben wie ein nicht enden wollender Rausch. Mit gerade Mal Ende 20 galt der gebürtige Franzose als Jungstar unter den Investmentbankern. Seine Kollegen bei Goldman Sachs in New York nannten ihn nur „Fabulous Fab“, den fabelhaften Fab. Tourre war auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen: Er managte hochkomplexe Finanzprodukte, mit denen die Investmentbank ein Vermögen verdiente. Zumindest bis die Blase am Immobilienmarkt platzte – und eben diese Papiere die weltweite Finanzkrise auslösten.
Über Jahre haben Behörden und Gerichte seitdem versucht, diejenigen ausfindig zu machen, die für den Nahezu-Zusammenbruch des Finanzsystems verantwortlich sind. Mit Fabrice Tourre scheinen sie jetzt zumindest einen von ihnen gefunden zu haben. Die Jury eines US-Gerichts in Manhattan hat den Ex-Banker am Donnerstag für schuldig befunden. Sie sah es als erwiesen an, dass Tourre die Kunden wissentlich getäuscht hat.


Damit wird seit Ausbruch der Finanzkrise erstmals ein Banker der Wall Street für sein Verhalten zur Rechenschaft gezogen. Für die amerikanische Börsenaufsicht SEC ist das ein entscheidender Sieg. Sie hatte das Verfahren gegen Tourre angestoßen. Bislang waren die Ermittlungen gegen Einzelpersonen im Zusammenhang mit Ausbruch der Finanzkrise meist im Sande verlaufen. „Wir sind erfreut über dieses Urteil“, sagte deshalb auch SEC-Rechtsexperte Andrew Ceresney. „Wir werden auch künftig all diejenigen an der Wall Street zur Rechenschaft ziehen, die betrogen haben.“

Der Fall des fabelhaften Fab ist geradezu exemplarisch für das, was in den Jahren vor 2008 in den Investmentabteilungen der Banken passierte. Tourre managte ein Finanzprodukt namens „Abacus 2007-AC1“. Experten nennen es eine „Collateralized Debt Obligation“, kurz ein CDO-Papier. Vielen Anleger, die es erwarben, dürfte nicht bewusst gewesen sein, was sie da eigentlich kaufen. Denn hinter „Abacus 2007-AC1“ standen eine ganze Menge fauler Immobilienkredite.
In den Jahren vor Ausbruch der Finanzkrise hatten die amerikanischen Banken, zum Teil auf Druck der Politik, massenhaft Immobilienkredite ausgereicht – und das selbst an Leute, die kein Erspartes hatten und sich ein Haus eigentlich gar nicht leisten konnten. Um das Risiko selbst nicht tragen zu müssen, verkauften die Banken die Immobilienkredite am Finanzmarkt weiter. So landeten sie schließlich bei Finanzgenies wie denen von Goldman Sachs, die die Kredite bündelten, immer wieder neu verpackten und als CDO-Papiere weiterverkauften. Diejenigen, die wie Tourre diese Papiere managten, wurden an der Wall Street als Stars gefeiert.
Als dann jedoch die Blase am Immobilienmarkt platzte und ein Kredit nach dem anderen ausfiel, brach dieses Geschäftsmodell zusammen. Das Geld, das Anleger in diese Papiere investiert hatten, war weg. Allein durch „Abacus 2007-AC1“ soll ein Schaden von rund einer Milliarde Dollar entstanden zu sein. Dabei waren es längst nicht nur ahnungslose Privatpersonen, die ihr Erspartes in diese Finanzprodukte gesteckt hatten. Auch Bankhäuser haben sich mit den Papieren verspekuliert – zum Beispiel die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, die deshalb vom deutschen Steuerzahler gerettet werden musste.

Als Folge hat die Börsenaufsicht sowohl die Investmentbanken als auch ihre Manager unter die Lupe genommen. Ein Verfahren gegen Goldman Sachs ist bereits vor drei Jahren mit einem Vergleich beigelegt worden. Die Investmentbank zahlte damals 550 Millionen Dollar (rund 417 Millionen Euro) – die höchste Strafe, die die Börsenaufsicht je gegen eine Bank verhängt hat. Was genau jetzt auf Tourre zukommt, steht noch nicht fest. Dem einstigen Star drohen allerdings eine Geldstrafe – und ein Berufsverbot.

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