Finanzkrise: Kritik des Ex-Premiers : Gordon Brown: „Die Deutschen haben die Drinks serviert“

Gordon Brown rechnet mit deutschen Banken ab. Deutschland sei "integraler Bestandteil des Problems" gewesen, schreibt der britische Ex-Premier über die Finanzkrise.

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Große Worte: Unter der Überschrift "Saving the Euro Zone" nimmt Britanniens Ex-Premier Gordon Brown in der "New York Times" Deutschland und vor allem die deutschen Banken aufs Korn.
Große Worte: Unter der Überschrift "Saving the Euro Zone" nimmt Britanniens Ex-Premier Gordon Brown in der "New York Times"...Foto: AFP

In einem Gastbeitrag für die „New York Times“ wirft Brown, von 2007 bis 2010 britischer Premierminister, den deutschen Banken mit Blick auf die erste Finanzkrise und die aktuelle Schuldenkrise vor, stärker als behauptet involviert zu sein. Brown leitet daraus die Forderung ab, Deutschland müsse einen größeren Beitrag für die Lösung der europäischen Schuldenkrise leisten.

„Wo auch immer eine Party stattgefunden hat, haben die deutschen Banken die Drinks serviert.“ So beschreibt Brown das lange Zeit einträgliche Engagement der Deutschen. Sei es die Kreditvergabe an die Euro-Schuldenstaaten, die amerikanische Immobilienkrise oder die Immobilienspekulation in Europa – die deutschen Geldhäuser seien überall maßgeblich dabei gewesen.

Brown verweist auf Zahlen der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, nach denen Deutschland insgesamt 1,5 Billionen Euro an die Länder Griechenland, Spanien, Portugal, Irland und Italien verliehen habe. Zu Beginn der Euro-Schuldenkrise hätten 30 Prozent der Kredite an den privaten und öffentlichen Sektor dieser Ländern aus Deutschland gestammt.

„Im Ergebnis tragen die deutschen Banken – gemessen an ihrem Eigenkapital – die höchsten Risiken aller entwickelten Volkswirtschaften“, schreibt Brown mit Verweis auf Daten des IWF. Das Risiko sei zweieinhalb Mal so groß wie bei den US-Wettbewerbern. „Es ist an der Zeit, dass Deutschland anerkennt, dass es ein integraler Bestandteil der Lösung des Problems sein muss, weil es schon ein integraler Bestandteil des Problems war“, schlussfolgert der britische Ex-Premier, der für die Einführung von Euro-Bonds plädiert.

Unterdessen wächst im europäischen Finanzsystem das Misstrauen. „Banken in bestimmten Regionen des Euro-Gebiets bevorzugen es, ihre überschüssige Liquidität bei der EZB zu deponieren, anstatt sie an andere Banken auszuleihen“, sagte der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, dem „Handelsblatt“. „Dieses Signal nehmen wir ernst.“

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