Finanzkrise : Lexikon der Spekulation

Für einen besseren Durchblick: Die wichtigsten Begriffe rund um die europäische Schuldenkrise.

David C. Lerch
Mächtige Märkte.
Mächtige Märkte.Foto: picture-alliance/ dpa

PIGS-STAATEN

Angelehnt an die Bezeichnung für die aufstrebenden Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China, kurz BRIC- Staaten, werden auch hier mehrere Länder anhand ihrer Anfangsbuchstaben zusammengefasst. PIGS oder PIIGS bezeichnet die europäischen Staaten, denen wegen ihrer hohen Verschuldung die Zahlungsunfähigkeit droht. Gemeint sind Portugal, Irland, Griechenland und Spanien. Den Ausdruck gibt es bereits seit Ende der 90er Jahre. Es heißt, ein Praktikant bei der britischen HSBC-Bank habe die Wortschöpfung kreiert. Allerdings stand das I damals für Italien statt für Irland. Ob die Italiener heute dazuzählen, gilt als strittig. Das Land selbst möchte natürlich nicht in diese Kategorie gehören. Befürworter nehmen das zweite I mit auf und sprechen von PIIGS-Staaten, oder auch GIPSI.

RATINGAGENTUREN

Da für Anleger das Ausfallrisiko der meisten Investments kaum zu überschauen ist, übernehmen Ratingagenturen die Risikobewertung. Die wichtigsten heißen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch. Sie schätzen die Sicherheit von einzelnen Finanzprodukten ein, aber auch von Staaten und Unternehmen, die am Kapitalmarkt Geld aufnehmen wollen. Nach Ausbruch der Finanzkrise sind die Ratingagenturen stark in die Kritik geraten und auch in der aktuellen Griechenland-Krise spielen sie eine zweifelhafte Rolle. Kritisiert werden die Macht und die fehlende Neutralität der Agenturen. So finanzieren häufig die Banken die Ratingagenturen, die dann wiederum die Produkte der Banken beurteilen. Bei den Ratings gibt es verschiedene Abstufungen, die in Noten ausgedrückt werden. Ab einer gewissen Schwelle wird der Ramsch-Status verliehen, das bedeutet die Investitionen in die entsprechenden Unternehmen oder Staaten gelten als höchst riskant. Bei Standard & Poor’s hat Griechenland diesen Status erreicht.

STAATSANLEIHEN

Sie dienen der Finanzierung von Staaten, die sich in Form von Schuldverschreibungen Geld von Investoren leihen. Das können Privatpersonen oder institutionelle Anleger sein. Da Staaten in der Regel als sehr zuverlässige Schuldner gelten, weisen ihre Papiere eher eine niedrige Rendite auf. Sie werden wegen ihrer Sicherheit aber oft von Versicherern oder Pensionsfonds gekauft. Darin liegt aber auch die Gefahr: Wenn der Staat pleitegeht, leiden darunter selten einzelne Spekulanten, sondern über diesen Umweg meist viele Bürger.

CDS

Hinter diesem Kürzel verbirgt sich das Instrument, mit dem Investoren gegen Griechenland spekulieren können. CDS steht für Credit Default Swaps, also Kreditausfallversicherungen. Der Käufer dieser CDS bekommt vom Verkäufer zum Beispiel einer Staatsanleihe die Garantie dafür, dass er bei einem Ausfall der Anleihe einen bestimmten Betrag zurückerhält. Als Gegenleistung entrichtet er eine Gebühr. So verstanden kann ein CDS nützlich sein, weil sich ein Investor so gegen die drohende Pleite eines Geschäftspartners absichern kann.

Man kann mit diesen Versicherungen aber auch wetten und genau das passiert gerade an den internationalen Finanzmärkten. Spekulanten kaufen CDS, ohne dass sie irgendwelche Anleihen zu versichern hätten. Verschlechtert sich dann die Situation eines Staates, kaufen mehr wirkliche Anleihebesitzer die Absicherungen, die CDS steigen daraufhin im Kurs und werfen Gewinne ab. Solche Wetten mit Kreditausfallversicherungen wollen die Politiker verbieten. Das Problem: Ohne den Handel damit würde der CDS-Markt insgesamt schrumpfen und es gäbe weniger Schutz für Anleger, die es ernst meinen.

HAIRCUT

Als Haircut (Haarschnitt) bezeichnen Ökonomen einen Kapitalschnitt, der bei einer Umschuldung etwa eines Staates zulasten der Gläubiger fällig wird. Im Fall Griechenland müssten dann alle Anleger mit Staatsanleihen pauschal auf einen bestimmten Teil ihrer Forderungen verzichten, wie bei der Insolvenz eines Unternehmens. Griechenland hätte dann weniger Schulden, aber andere kaum zu kalkulierende Risiken. Es wäre noch schwieriger, an frisches Geld zu kommen, auch weil zahlreiche Banken in Schieflage geraten könnten. David C. Lerch

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