Wirtschaft : Finanzmanagement: Neue Modelle für die Kommunen

Deutschland ist auf dem Weg zum Dienstleistungskonzern, und diesem Trend können sich die Kommunen nicht entziehen. So lautet vereinfacht die These des "Zukunftstag 2000 - Gemeinden und Regionen" den die Deutsche Bank am Montag in Berlin ausrichtete. "Die Kommunen sind auf dem Weg zum modernen Dienstleister erfreulich gut vorangekommen", stellte das Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, Carl L. von Boehm-Bezing, am Montag vor der Presse fest. Doch für den Rest des Weges fehlt nicht selten das Geld. Hier kann die Deutsche Bank Hilfestellung geben. Zudem fließen schon heute laut Boehm-Bezing nahezu 50 Prozent aller Einnahmen und Ausgaben durch die Kassen der öffentlichen Hand. Dies mache das Kundensegment "Öffentlicher Sektor" zu einer interessanten Zielgruppe. Der Banker machte allerdings keine Angaben zur Größenordnung dieses Geschäftsfeldes bei der Deutschen Bank. Nur soviel: Der Ertrag in diesem bereich konnte seit 1996 um mehr als 100 Prozent gesteigert werden.

Der europäische Binnenmarkt führe unter anderem zu europaweiten Ausschreibungen und zur Liberalisierung von Branchen wie Telekommunikation, Strom oder Wasser, nannte Boehm-Bezing andere Aufgabenstellungen für die Gemeinden. Hinzu komme der Wettbewerb zwischen den Regionen und nicht zuletzt der Handlungsdruck, Investitionen trotz knapper oder auch leerer Kassen zu realisieren. "Dies führt dazu, dass der öffentliche Sektor zunehmend bereit ist, auch beim Finanzmanagement neue Wege zu gehen." Durch Anwendung moderner Finanzinstrumente könne die Schuldenlast gesenkt werden. Das jährliche Beschaffungsvolumen der Kommunen in der Europäischen Union bezifferte Boehm-Bezing auf etwa 720 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite würden die öffentlichen Gebietskörperschaften aber auch Vermögen bilden. Durch die so genannte Kanther-Rücklage - die öffentlichen Arbeitgeber müssen Rücklagen in Höhe von zwei Prozent der Beamtengehälter für spätere Pensionsverpflichtungen bilden - wüchsen beachtliche Beträge. Die Deutsche Bank könne aber nicht nur im Finanzmanagement sondern auch bei Privatisierungen ihre Dienste anbieten.

An dem Kongress nahmen rund 650 Vertreter von Städten, Gemeinden und Gebietskörperschaften teil. In acht Workshops wurde unter anderem über die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs, über kommunales Zinsmanagement, neue Medien in der Stadtentwicklung und Kommunalpolitik und Wissensmanagement in der öffentlichen Verwaltung diskutiert.

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