Finanzpolitik : EZB dreht voraussichtlich an der Zinsschraube

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird am Donnerstag voraussichtlich den Leitzins erneut anheben. Damit soll die Konjunktur vor einem "Überhitzen" geschützt und zu starke Inflation vermieden werden.

Frankfurt/Main - Nach den Andeutungen von Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet erwarten Beobachter, dass der Satz, zu dem sich Europas Banken kurzfristig Geld bei der EZB leihen können, um 0,25 Punkte auf drei Prozent steigt.

Es wäre die vierte Erhöhung binnen acht Monaten. Damit wollen die obersten Währungshüter den durch steigende Ölpreise ausgelösten Preisanstieg bremsen. Höhere Zinsen gelten allerdings auch als Konjunkturbremse, weil sie Investitionen für Unternehmen verteuern. Für Verbraucher bringen sie Freud und Leid: Kredite werden teurer, für Sparer gibt es dafür mehr Zinsen - wenn auch meist mit Verzögerung.

Die Währungshüter sind seit Monaten angesichts der anziehenden Inflation in der zwölf Länder umfassenden Eurozone in Alarmstimmung. Trichet selbst ließ Anfang Juli durchblicken, dass ein weiterer Zinsschritt bevorstehe. Für eine erneute moderate Zinssteigerung spricht auch, dass die 18 EZB-Ratsmitglieder nicht wie sonst im August üblich in einer Telefonkonferenz, sondern persönlich zu einem Gespräch nach Frankfurt am Main kommen. Beobachter werten das als Indiz für wichtige Ankündigungen.

Damit würde die EZB die Leitzinsanhebung beschleunigen. Ökonomen sehen den Zins bis Jahresende bei 3,5 Prozent. Bank-of-America-Analyst Matthew Sharratt führte als Grund dafür die hohe Inflation und das gleichzeitig robuste Wachstum in der Eurozone an. In der Tat lag der Preisanstieg im Juni im Vorjahresvergleich vor allem wegen der explodierenden Öl- und Energiepreise bei 2,5 Prozent und damit deutlich über der Zielmarke der EZB von knapp unter zwei Prozent. Die Währungshüter sorgen sich, dass die hohen Energiepreise dazu führen könnten, dass Arbeitnehmer höhere Löhne als Ausgleich für ihre Mehrkosten bei Benzin und Heizöl fordern und damit die Preisspirale erst richtig in Gang gesetzt wird. (tso/AFP)

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