Wirtschaft : Finanzprofis sehen bessere Konjunktur ZEW-Index gewinnt erstmals seit acht Monaten

Berlin - Finanzmarktexperten sehen einen leichten Aufwärtstrend für die deutsche Konjunktur, der im Sommer beginnen könnte. Der Konjunkturindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim stieg im Februar leicht um 2,1 Punkte auf den Stand von minus 39,5 Punkten, wie das Institut am Mittwoch mitteilte. Das war der erste Zuwachs seit Mai 2007. Der historische Durchschnitt des Index liegt allerdings bei 30,7 Punkten.

Das ZEW befragt für seinen Index allmonatlich mehr als 300 Marktbeobachter und Investoren zu ihren Einschätzungen und Erwartungen. Die Experten setzen allerdings parallel zur Aufhellung der Konjunktur auf eine Senkung der Leitzinsen in den Industrieländern. Die aktuelle Lage sehen sie nach den Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen dagegen kritisch: Der entsprechende Indikator sank um 22,9 auf 33,7 Punkte.

„Die Banken gehen zurzeit durch das Tal der Tränen, aber die Finanzanalysten rechnen damit, dass in einem halben Jahr das Schlimmste überstanden sein wird“, sagte ZEW-Chef Wolfgang Franz. Die Erwartungen deuteten auf eine konjunkturelle Entspannung ab Mitte des Jahres hin. Eine fiskalpolitische Stimulierung sei daher unnötig, befand Franz.

Das sieht Thomas Straubhaar vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Institut (HWWI) anders. Die Politik solle sich frühzeitig gegen konjunkturelle Risiken wappnen, die aus den USA und auch aus China drohten. „Man muss jetzt Eckpunkte eines Steuer- und Abgabensenkungsprogramms beraten und im Frühjahr beschließen, damit es im Winter 2008/09 wirksam werden kann“, forderte der HWWI-Direktor.

Derweil blickt das Baugewerbe wenig optimistisch auf die kommenden Monate. Erstmals seit drei Jahren würden die Umsätze 2008 stagnieren, erwartet der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. „Stagnation ist besser als Rückgang. Dennoch können wir mit der Baukonjunktur nicht zufrieden sein“, sagte Verbandspräsident Hans-Hartwig Loewenstein. Zwar werde es im öffentlichen und im Wirtschaftsbau Zuwächse geben, am Wohnungsmarkt sei aber mit einem Minus von neun Prozent zu rechnen. brö/ysh

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